Zusammenhang zwischen Herzmuskelentzündung und Corona-Impfung “wahrscheinlich” ⋆ Nürnberger Blatt

Impfstoff – Bild: 9_fingers_ über Twenty20

Einen Zusammenhang zu den sogenannten mRNA-Impfstoffen sehen US-Experten im Auftreten von hunderten Fällen von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung als “wahrscheinlich”. Diese Schlussfolgerung legten die bisher vorliegenden Daten nahe, hieß es am Mittwoch bei einer Präsentation in einer von der US-Gesundheitsbehörde CDC einberufenen Expertengruppe. Die Vorteile einer Impfung gegen das Coronavirus würden die Risiken “deutlich überwiegen”. Auch für die Impfstoffe soll es eine neue Warnung geben.

Die Experten gingen dem Verdacht nach, dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna bei jungen Menschen gelegentlich zu Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Perikards (Perikarditis) führen könnten. Dazu werteten sie Daten zu mehr als 300 bestätigten Myokarditis-Fällen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus, die kürzlich mit einem mRNA-Impfstoff gegen Corona geimpft wurden.

„Myokarditis ist eine seltene Erkrankung, aber keine neue“, sagt der Kinderkardiologe Matthew Oster. Bisher wird davon ausgegangen, dass die Krankheit meist durch Viren verursacht wird. “Es scheint, dass die mRNA-Impfstoffe ein neuer Auslöser sein könnten”, sagte Oster.

Bis zum 11. Juni war in den USA bei 323 Patienten unter 30 Jahren eine Myokarditis oder Perikarditis nach Corona-Impfung diagnostiziert worden. Auf der anderen Seite gibt es mehr als 50 Millionen Impfdosen, die bisher Zwölf- bis 29-Jährigen verabreicht wurden. Die Zahl der Erkrankungen ist daher relativ gering, aber höher als für diese Altersgruppe zu erwarten wäre.

309 der Patienten mussten ins Krankenhaus, wo derzeit neun behandelt werden. Die meisten Fälle traten bei jungen Männern und innerhalb einer Woche nach der zweiten Impfdosis auf. Bisher gibt es keinen bestätigten Todesfall.

CDC-Chefin Rochelle Walensky sagte letzte Woche, diese Fälle seien “selten” und “die überwiegende Mehrheit” der Betroffenen habe sich “mit Ruhe und unterstützender Behandlung vollständig erholt”.

Da Kinder deutlich seltener ernsthaft an Covid-19 erkranken, sind Corona-Impfungen in dieser Altersgruppe bereits umstritten. Der Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten bei Kindern am Cohen Children’s Medical Center in New York, Lorry Rubin, wies gegenüber der Nachrichtenagentur AFP darauf hin, dass seit Beginn der Pandemie mehr als 3.000 Kinder in den USA wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden und mehr als 300 sind gestorben.

Die Zahl der Todesfälle bei Patienten unter 30 Jahren liegt demnach bei rund 2.700. Insgesamt wurden in den USA bereits mehr als 602.000 Corona-Tote registriert.

Das Produkt von Biontech/Pfizer ist bislang der einzige Corona-Impfstoff in den USA, der auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen ist. Der Moderna-Impfstoff ist ab 18 Jahren zugelassen.

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