Zehntausende demonstrieren in Brasilien gegen Bolsonaro ⋆ Nürnberger Blatt

Jair Bolsonaro – Bild: Alan Santos / PR

In Brasilien demonstrierten Zehntausende erneut gegen Präsident Jair Bolsonaro. Die Proteste in Dutzenden von Städten am Samstag bezogen sich hauptsächlich auf die nachlässige Behandlung der Koronapandemie durch das rechtsextremistische Staatsoberhaupt, aber auch auf die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes. Die Demonstranten beschuldigten Bolsonaro auch, Rassismus und Gewalt in der brasilianischen Gesellschaft zu fördern. Linke Organisationen und Studentenbewegungen forderten die Proteste.

Allein in Rio de Janeiro gingen rund 10.000 Menschen gegen Bolsonaro auf die Straße. Die Demonstranten trugen Atemschutzmasken. Sie riefen “Bolsonaro ‘raus!” Und beschuldigte das Staatsoberhaupt des “Völkermords”. Proteste gegen den Präsidenten fanden auch in den Metropolen Belo Horizonte, Salvador und der Hauptstadt Brasília statt.

Bolsonaro wird vorgeworfen, die Pandemie heruntergespielt zu haben, um die rasche Ausbreitung des Koronavirus im größten Land Lateinamerikas zu fördern. Bolsonaro hatte die durch das Coronavirus verursachte Covid-19-Krankheit als “geringfügige Grippe” bezeichnet und Maßnahmen brasilianischer Staaten und Gemeinden zur Eindämmung des Virus wegen ihrer drosselnden Auswirkungen auf die Wirtschaft kritisiert. Er stellte auch die Wirksamkeit der Impfstoffe in Frage.

In Brasilien gibt es seit Monaten Proteste gegen den Präsidenten, die im Laufe der Zeit immer beliebter wurden. Bolsonaros Popularität hat erheblich abgenommen. Laut einer Umfrage des Datafolha-Instituts sind es nur 24 Prozent. In den letzten zwei Wochen hatte es jedoch auch Demonstrationen zur Unterstützung des Präsidenten gegeben – Bolsonaro selbst hatte zu diesen Versammlungen aufgerufen.

Brasilien ist eines der schlimmsten Länder der Welt, die von der Koronapandemie betroffen sind. In der offiziellen Statistik wurden dort bisher rund 460.000 Todesfälle gezählt.

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