Wikileaks-Gründer Assange bekommt Besuch von seiner Familie ⋆ Nürnberger Blatt zum ersten Mal seit Monaten

Julian Assange – Bild: Cancillería del Ecuador, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons
Julian Assange – Bild: Cancillería del Ecuador, CC BY-SA 2.0, über Wikimedia Commons

Wikileaks-Gründer Julian Assange erhielt zum ersten Mal seit acht Monaten wieder Besuch von seiner Verlobten und zwei kleinen Söhnen im britischen Hochsicherheitsgefängnis in Belmarsh. Die 38-jährige Stella Morris sagte nach dem Besuch am Samstag, Assanges Situation sei “völlig unerträglich und grotesk”. “So kann es nicht weitergehen”, sagte Morris. Assange wird gequält, die Haft treibe ihn in eine “tiefe Depression und Verzweiflung”.

Der 49-jährige Assange sitzt seit mehr als zwei Jahren im Hochsicherheitsgefängnis im Süden Londons. Er wurde im April 2019 in Großbritannien festgenommen, nachdem er sich sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London versteckt hatte.

Im Januar lehnte ein Gericht in London einen US-Auslieferungsantrag für Assange ab. Die Richterin begründete ihre Entscheidung mit dem psychischen Zustand des Australiers und den strengen Haftbedingungen, die ihn in einem Prozess in den USA erwarten würden. Es bestehe ein „erhebliches“ Risiko, dass Assange in US-Gewahrsam Selbstmord begehe, sagte sie. Weil die US-Regierung gegen das Urteil Berufung einlegte, wurde Assange vorerst nicht freigelassen.

Assange wird in den USA der Veröffentlichung von Verschlusssachen und der Spionage angeklagt. Dort drohen ihm im Falle einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft.

2010 und 2011 hatte die Offenlegungsplattform Wikileaks Hunderttausende Geheimpapiere ins Internet gestellt, vor allem zum Irakkrieg, die ihr von der ehemaligen US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren. Die Dokumente enthielten brisante Informationen über US-Operationen im Land, darunter die Tötung von Zivilisten und die Misshandlung von Gefangenen.

Im April 2020 wurde bekannt, dass der Wikileaks-Gründer während seines Asyls in der ecuadorianischen Botschaft zweimal heimlich Vater wurde. Morris, die Mutter der damals zwei- und vierjährigen Jungen, hatte zuvor als Anwältin für Assange gearbeitet.

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