WHO warnt vor dritter Pandemiewelle in Afrika ⋆ Nürnberger Blatt

Corona – Bild: 9_fingers_ über Twenty20

Während die Industrieländer den Höhepunkt der Corona-Krise überschritten zu haben scheinen, kämpft Afrika mit rasant steigenden Infektionszahlen und einem Mangel an Impfstoffen. Angesichts der Lage warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag, Afrika sei nicht auf eine dritte Pandemiewelle vorbereitet. Besonders betroffen sind Uganda und die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, Kinshasa.

“Viele afrikanische Krankenhäuser und Kliniken sind noch lange nicht darauf vorbereitet, die enorme Zunahme schwerkranker Patienten zu bewältigen”, sagte der WHO-Regionaldirektor für Afrika, Matshidiso Moeti. „Die Bedrohung durch eine dritte Welle in Afrika ist real und nimmt zu“, fügte sie hinzu.

Afrika hat nach Angaben der WHO offiziell über 4,8 Millionen Fälle von Corona-Infektionen und 130.000 Todesfälle registriert. Das entspricht 2,9 Prozent der weltweiten Fälle und 3,7 Prozent der Zahl der Todesopfer.

Eine Umfrage der WHO im Mai ergab, dass die meisten der 23 untersuchten Länder in Afrika weniger als ein Intensivbett pro 100.000 Einwohner haben. Nur ein Drittel hatte Beatmungsgeräte. Im Vergleich dazu haben Länder wie Deutschland und die USA mehr als 25 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner.

In den letzten Wochen verzeichnete der Kontinent einen Anstieg der Infektionen. Besonders besorgt war die WHO Ende Mai über die “exponentiell” steigenden Corona-Zahlen in Kinshasa. “Die dritte Welle von Covid-19 ist bereits da”, sagte ein Vertreter des kongolesischen Gesundheitsministeriums. Es ist die Delta-Variante, die erstmals in Indien entdeckt wurde, und die Beta-Variante aus Südafrika. „Diese Welle könnte tödlicher sein als die vorherige“, warnte er und führte den Anstieg auf die Missachtung von Abstands- und Hygieneregeln zurück.

In Uganda stieg die Zahl der Fälle innerhalb einer Woche um 131 Prozent, mit Schulausbrüchen und einem Anstieg der Fälle bei Beschäftigten im Gesundheitswesen. Auch in Angola und Namibia stiegen die Zahlen.

Südafrika, offiziell das am stärksten betroffene Land des Kontinents, hat zuletzt die Corona-Beschränkungen wieder verschärft. Das Land meldete mehr als 56.000 Tote an den Folgen einer Corona-Infektion.

Gleichzeitig habe der Kontinent mit einem Mangel an Impfstoffen zu kämpfen und die Versorgung in Afrika sei fast zum Erliegen gekommen, teilte die WHO mit. Die Organisation hofft auf neue Lieferungen durch das internationale Covax-Programm in den kommenden Monaten. Nur zwei Prozent der Afrikaner haben bisher mindestens eine Impfung erhalten, während 24 Prozent der Weltbevölkerung geimpft sind. Sechs Länder haben noch nicht einmal mit der Impfung begonnen, vier davon in Afrika: Tansania, Burundi, Tschad und Eritrea.

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