Wenn das Girokonto Geld frisst ⋆ Nürnberger Blatt

Kontoauszug

Die drittgrößte deutsche Bank ING hat diese Woche angekündigt, künftig auf Kontoguthaben ab 50.000 Euro Strafzinsen in Höhe von 0,5 Prozent zu erheben. Sie folgt anderen deutschen Großbanken wie der Postbank und der Commerzbank. 349 Banken und Sparkassen in Deutschland fordern nach Angaben des Verbraucherportals Verivox nun Strafzinsen von Privatkunden.

WAS IST EIN STRAFZINSEN?

Im Oktober 2014 führte eine deutsche Bank erstmals Strafzinsen für Sparer ein. Was damals für aufgeregte Diskussionen sorgte, ist mittlerweile Normalität: Laut Verivox verlangen 349 Banken in Deutschland Strafzinsen, das sind 171 mehr als Ende 2020. Viele Banken haben zudem bestehende Strafzinsregelungen verschärft.

Ein Strafzins ist ein Negativzins – der Bankkunde verliert über einen bestimmten Zeitraum einen Teil seines Guthabens, das dann der kontoführenden Bank gutgeschrieben wird.

WIE HOCH IST DER STRAFZINSEN?

Ab welchem ​​Kontostand und in welcher Höhe die Strafzinsen fällig werden, variiert. In der Regel gibt es einen Freibetrag zwischen 25.000 und 100.000 Euro. Ein weiterer wichtiger Faktor ist oft, ob ein Kunde neu bei der Bank ist oder schon länger ein Konto beim Finanzinstitut hat.

In der Regel beträgt der Satz minus 0,5 Prozent und orientiert sich damit am Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB). Dies sind derzeit die Zinsen, die Geschäftsbanken zahlen müssen, um ihr Geld bei der EZB zu hinterlegen.

Allerdings gibt es auch Banken, die Strafzinsen von bis zu minus 0,75 Prozent kassieren – und teilweise sogar schon ab geringen Freibeträgen von 10.000 Euro, in wenigen Fällen ab dem ersten Euro-Kredit.

WARUM GIBT ES STRAFZINSEN?

Im Juni 2014 kündigte die EZB erstmals einen negativen Einlagensatz von 0,1 Prozent an: Seitdem zahlen Banken Zinsen an die EZB, um ihr Geld dort anzulegen. Es folgten weitere Senkungen des Einlagenzinses auf minus 0,4 und schließlich auf minus 0,5 Prozent seitens der EZB – für Geschäftsbanken wurde die Geldaufbewahrung also immer teurer. Die Geldpolitik der EZB soll Banken dazu bringen, möglichst viel Geld in Form von Krediten an Kunden auszugeben, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Vergabe günstiger Kredite an Kunden birgt ein Risiko für die Banken: Wenn die EZB ihre Niedrigzinspolitik beendet, müssen sich die Geschäftsbanken nach der Vergabe vieler günstiger Kredite zu höheren Zinsen neu refinanzieren. Die Banken geben die Strafzinsen der EZB daher an ihre Kunden weiter – als Strafzinsen, Negativzinsen oder „Depotgebühren“.

WIE KÖNNEN BANKKUNDEN STRAFZINSEN VERMEIDEN?

Im ersten Schritt ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen: Die aktuellen Zinssätze für das eigene Konto finden Sie im Online-Banking oder in den Vertragsunterlagen zum Bankkonto. Sollten auf eigenem Guthaben Strafzinsen fällig werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, dies zu vermeiden.

Zusätzliche Bankkonten: Die meisten Banken berechnen Strafzinsen erst ab einem Guthaben ab einem bestimmten Freibetrag. Es kann daher sinnvoll sein, das eigene Vermögen auf mehrere Konten zu verteilen, um die geltende Steuerbefreiung zu unterschreiten.

Andere Anlageformen: Je nach Vermögensaufbau kann es sinnvoll sein, einen Teil des eigenen Geldes anders anzulegen als auf einem Girokonto. Weitere Optionen sind zum Beispiel Wertpapiere, ETF-Sparpläne oder Tages- und Festgeldkonten.

Bänke wechseln: Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Bänke zu wechseln. Nach wie vor bieten einzelne Banken Konten ohne Strafzinsen an, auch wenn sich viele Finanzinstitute diesen Schritt offen halten, wenn die EZB ihre Niedrigzinspolitik fortsetzt. Daher ist es wichtig, die Konditionen der neuen Bank sorgfältig zu prüfen. Ein Kontowechsel ist relativ einfach, da neue und alte Banken gefordert sind, Kunden beim Kontowechsel zu unterstützen.

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