Was ist der Unterschied zwischen Nemi El-Hassan und Hozan Canê?

Hozan Cane (l) mit PKK Che Murat Karayilan auf einem undatierten Foto. (Screenshot / T24)

Führungsmentalität blockieren

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Wenn Rechtsextremisten, völkische Kurden und Werteverteidiger sich zum Bollwerk gegen Antisemitismus erklären und als Verteidiger des Staates Israel auftreten, besteht die Gefahr, die Interpretationshoheit zu übernehmen, was Antisemitismus oder Terrorismus ist. Diese Blockvormundschaft nimmt in Deutschland derzeit groteske Formen an. In zwei aktuellen Fallstudien wird es deutlich: die Hetzkampagne gegen El-Hassan versus die Solidaritätswelle gegen Hozan Cane und Dilan Gönül Örs. Manche sind genauso. Und diejenigen, die ihre „Werte“ wie eine Monstranz vor sich her tragen, sind besonders enttäuschend.

Der Journalist und Arzt ist noch da Nemi El-Hassan vom Vorwurf des Antisemitismus und der Terrorismusverherrlichung, weshalb sie die WDR-Wissenschaftssendung Quarks vorerst nicht moderieren darf. Dafür können sich Hozan Canê und Gönül Örs der Solidarität der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sicher sein und können sich auch öffentlich mit ihr treffen.

Was ist der Unterschied zwischen den beiden Fällen?

Die deutsch-palästinensische Frau Nemi El-Hassan nahm vor sieben Jahren an der Al-Quds-Demonstration in Berlin teil. Sie hatte während des Gaza-Krieges ihre Solidarität mit Palästina bekundet. Diese Demonstration wurde von einer Vereinigung organisiert, die mit der iranischen Hisbollah verbunden ist.

Bei der Al-Quds-Demonstration riefen Teilnehmer unter anderem antisemitische Parolen. Sieben Jahre später tauchte ein Bild von El-Hassan auf. Letzte Woche distanzierte sich El-Hassan von der Teilnahme an der Demonstration vor sieben Jahren und beteuerte, sie nie wieder gesehen zu haben. Damals sei sie noch „unreflektiert“ „und „uninformiert“.

Die teilweise hysterische Blockvormundschaft hat sich nicht gelegt. Selbst deutsch-muslimische Kritiker werfen El-Hassan Unehrlichkeit vor und fordern deshalb eine unmissverständliche Läuterung; wohl mit der Absicht, das Thema weiter aufzukochen, damit die Hoffnung, jemals im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftreten zu können, komplett begraben werden kann.

Hozan Canê traf sich vor 2014 mehrmals mit dem völkisch-kurdischen PKK-Spitzenfunktionär Murat Karayilan. Kurz vor der Präsidentschaftswahl 2018 in der Türkei wurde Canê in Edirne festgenommen, wo sie eine Wahlkampfveranstaltung der ethnisch-kurdischen Partei HDP unterstützen wollte. Die Vorwürfe gegen Canê wurden damit begründet, dass die kurdische Sängerin unter anderem mit ihren Posts auf Facebook und im echten Leben terroristische Propaganda betrieben habe.

Hozan Canês Tochter Gönül Dilan Örs reiste im April 2019 von Köln nach Istanbul, um ihre Mutter zu treffen. Auch Dilan Örs wurde festgenommen. Grund dafür war, dass Örs 2012 an einer Klage eines PKK-nahen Vereins in Köln teilgenommen hatte. Nachdem ein Gericht sie aus der Haft entlassen hatte, wurde ein Reiseverbot verhängt. Dilan Örs wurde im Dezember 2020 wegen des Versuchs, die Grenze zu überschreiten, zu Hausarrest verurteilt. Dilan Örs durfte die Türkei jedoch im Juni 2021 verlassen. Die Mutter Canê wurde im September 2020 aus der Haft entlassen, darf die Türkei jedoch nicht verlassen, bis ihr Prozess fortgesetzt wird.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinschaft in Deutschland, schockiert über die Verurteilung des Sängers Hozan Canê. Nach ihrer Rückkehr nach Köln wurde Gönül Dilan Örs von Sympathisanten fast frenetisch begrüßt. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker empfing Dilan Örs, hatte sich aber bereits mit Tochter und Mutter solidarisch gezeigt. Noch heute darf Dilan Örs im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausführlich über die Festnahme sprechen und wird im Mainstream sehr oft unkritisch wiedergegeben. Von Distanzierung kann keine Rede sein, sei es von der Aktion in Köln 2012, geschweige denn von der völkisch-kurdischen Terrororganisation PKK.

Die PKK sieht sich derzeit mit dem Vorwurf konfrontiert, aramäische, chaldäische oder assyrische Geistliche, Kirchenvertreter und Organisationsvertreter im Nordosten Syriens entführt zu haben, die sich der völkisch-kurdischen Hegemonie der PKK nicht beugen wollen. Die christliche Minderheit hat kürzlich einen dringenden Appell ausgesprochen, um vor zunehmender Unterdrückung und vor dem Exodus der Christen aus Nordsyrien zu warnen. Bisher haben sich weder Hozan Canê noch Gönül Dilan Örs dazu geäußert oder die Taten der völkisch-kurdischen hegemonialen Willkürherrschaft der PKK verurteilt.

(Screenshot / Assyrien TV)

Stattdessen erklärte der selbsternannte „Menschenrechtler“ Dilan Örs, es gebe einen „großen Unterschied, ob wir gegen die Diskriminierung von Kurden in der Türkei sind oder ob wir Terroristen sind. Meine Mutter singt, ich demonstriere. Das sind keine Verbrechen. „Gönül Örs betonte auch, dass Menschen wie sie nicht kriminalisiert werden sollten. Dabei kriminalisiert sie sogar „Integrationswillige“, die die ethnisch-kurdische Hegemonialmacht in Nordsyrien nicht anerkennen oder ihre Verbrechen zur Diskussion stellen.

Der Unterschied zwischen Nemi El-Hassan und Hozan Canê oder Gönül Dilan Örs besteht darin, dass letztere nicht nur aktiv an Demonstrationen teilnahmen, sondern sich auch aktiv für eine Terrororganisation interessierten und auch aktiv an deren Glorifizierung arbeiteten. Wie Nemi El-Hasan distanzierten sie sich nicht von einer Terrororganisation (im Fall der Hisbollah), um Vorwürfen des Judenhasses und des Antisemitismus zu entgehen.

Der andere Unterschied zwischen Nemi El-Hassan und Hozan Canê oder Gönül Dilan Örs besteht darin, dass Canê sich mehrmals mit Spitzenfunktionären einer Terrororganisation getroffen hat. Dilan Örs beteiligte sich aktiv an den Aktionen eines PKK-nahen Vereins, auf den auch das deutsche LKA und/oder BKA immer wieder strafrechtlich aufmerksam wurde. El-Hassan kam mit keinem Funktionär einer Terrororganisation in Kontakt oder unterstützte diese aktiv, wurde aber trotz deren Zusicherungen unter anderem von Ali Ertan Toprak (CDU) scharf angegriffen.

Bewegt man sich aber trotzdem im völkisch-kurdischen Umfeld der Terrororganisation PKK und ihrer Ableger SDF, YPG und PYD, die Terror als legitimen Kampf gegen alle betrachten, bestreitet das Recht der Türkei, Syriens oder des Iran zu existieren, Minderheiten zu verfolgen oder zu verfolgen, Menschen zu unterdrücken, die ihre Interessen nicht teilen, dann darf man sich nicht wundern, in einem Rechtsstaat zur Rechenschaft gezogen zu werden. Terrorismus ist kein Kavaliersdelikt! Sympathiebekundungen für Akteure, die den Terrorismus verherrlichen, ihn indirekt unterstützen oder aktiv am Terrorismus beteiligt sind, sind ausnahmslos zu verurteilen. Ansonsten steht der Vorwurf im Raum, heuchlerisch zu agieren, als Blockwart zu arbeiten, unabhängig davon, ob man gerade in Deutschland eine Verantwortung gegenüber Juden hat oder nicht.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und geben nicht unbedingt den Standpunkt von nex24 wieder.


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