Vatikan nimmt Artikel gegen Kindesmissbrauch in Kirchenrecht auf ⋆ Nürnberger Blatt

Symbolbild: Vatikan

Nach jahrelangem Druck der Opfer von Kindesmissbrauch durch katholische Priester hat Papst Franziskus einen Artikel zur Bestrafung des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in das kanonische Recht aufgenommen. Das Kirchenrecht wurde um eine entsprechende Regelung ergänzt, wie der Vatikan am Dienstag mitteilte. Der Vatikan legte eine Revision eines der sieben Bücher seines kanonischen Gesetzes von 1983 vor, das die Strafen der katholischen Kirche enthält. Die Änderungen treten im Dezember in Kraft.

Das bisherige kanonische Gesetzbuch sieht die Bestrafung des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker unter der einfachen Überschrift der Verletzung des sechsten Gebots der Bibel („Du sollst nicht ehebrechen“) vor. Diese Formulierung, die sich auf die Nichteinhaltung des Zölibats bezieht, galt angesichts der Vielzahl von Pädophilie-Skandalen in der katholischen Kirche als veraltet und unklar.

Unter der neuen Überschrift „Verstöße gegen das Leben, die Würde und die Freiheit des Menschen“ sieht das Gesetzbuch vor, dass ein Priester seines Amtes enthoben und „mit anderen gerechten Strafen“ bestraft werden soll, wenn er mit einem Minderjährigen gegen das sechste Gebot verstößt. In ähnlicher Weise wird ein Priester bestraft, der Kindern zu Pornografie verleitet.

Die Revision der strafrechtlichen Sanktionen folgte einem jahrelangen Prozess, in dem auch Strafrechtsexperten hinzugezogen wurden. Ziel der Revision sei die Wiederherstellung der Gerechtigkeit sowie die Wiedergutmachung, schrieb Papst Franziskus zur Einführung der Änderungen.

Seit der argentinische Papst im Jahr 2013 Papst wurde, hat er sich bemüht, die jahrzehntelangen Skandale wegen sexuellen Missbrauchs anzugehen, die katholische Priester auf der ganzen Welt erfasst haben. Franziskus berief 2019 unter anderem einen beispiellosen Gipfel zum Thema sexuellen Missbrauch durch Kleriker ein und hob unter anderem die Geheimhaltungsregeln auf, die Ermittlungen gegen Priester behinderten. Vielen Opfervertretern gingen die Schritte jedoch nicht weit genug.

Leave a Comment