US-Notenbank hebt Inflationsprognose auf 3,4 Prozent an ⋆ Nürnberger Blatt

Die US-Notenbank will ihre Niedrigzinspolitik fortsetzen, bis das Ziel der maximalen Beschäftigung in den USA erreicht ist. Das geht aus einer am Mittwoch in Washington veröffentlichten Erklärung der Federal Reserve (Fed) hervor. Prognosen der Notenbanker gehen davon aus, dass das Beschäftigungsmaximum nicht vor 2024 erreicht werden kann. Notenbankchef Jerome Powell hatte bereits Ende August angekündigt, die Fed wolle “für einige Zeit” eine Inflationsrate von mehr als zwei Prozent in Kauf nehmen, um Stimulierung Wirtschaft und Arbeitsmarkt, ohne einzugreifen und ohne die Leitzinsen anzuheben. Wegen der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat die Fed im März den Leitzins praktisch auf null gesenkt. Die Fed veröffentlichte auch Prognosen von Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Zentralbank, dass das Nullniveau mindestens bis Ende 2023 anhalten soll. Zwei Mitglieder des Ausschusses sagten jedoch am Mittwoch, dass sie mit der Strategie der Zentralbank nicht einverstanden seien. In ihren aktuellen Prognosen zur Entwicklung der US-Wirtschaft im Jahr 2020 ging die Fed von einer weniger schweren Rezession und weniger hohen Arbeitslosigkeit im Vergleich zu ihren Juni-Prognosen aus, aber auch von einer weniger robusten Erholung in den Jahren 2021 und 2022. American Federal Reserve (FED) – Image : Euronews

Die US-Notenbank hat ihre Inflationsprognose für dieses Jahr auf 3,4 Prozent angehoben, gleichzeitig aber Ängsten vor einer unkontrollierten Preisspirale entgegengetreten. Der starke Anstieg der Verbraucherpreise sei auf “vorübergehende” Faktoren zurückzuführen, teilte die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch am Ende einer zweitägigen Sitzung ihres Offenmarktausschusses mit. Im Jahr 2022 dürfte die Inflation wieder auf 2,1 Prozent sinken. Die Mehrheit der Fed-Mitglieder rechnet für 2023 mit steigenden Leitzinsen.

Angesichts der verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie senkte die Fed im März 2020 die Leitzinsen auf 0,0 bis 0,25 Prozent. Außerdem pumpt sie monatlich 120 Milliarden Dollar durch Anleihekäufe in die Märkte, um die Wirtschaft zu stützen.

Angesichts der lockeren Geldpolitik und der wirtschaftlichen Erholung des Landes wächst jedoch die Angst vor einer hohen Inflation. Im Mai betrug der Preisanstieg fünf Prozent, der höchste Wert seit 13 Jahren.

Fed-Chef Jerome Powell sagte am Mittwoch, es handele sich um ein vorübergehendes Phänomen. Die erhöhte Inflation sei das Ergebnis eines “perfekten Sturms aus starker Nachfrage und begrenztem Angebot” für Güter wie Gebrauchtwagen. Diese Entwicklung wird voraussichtlich enden und sich im Laufe der Zeit sogar “umkehren”.

Beobachter befürchten, dass die Inflation außer Kontrolle geraten könnte. Das wiederum würde die Fed zwingen, die Leitzinsen drastisch anzuheben – mit negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Notenbank hat am Mittwoch ihre Inflationsprognose für 2021 von 2,4 Prozent auf 3,4 Prozent angehoben.

Powell versicherte jedoch, dass die Notenbank der Preisentwicklung folgt und eingreifen wird, wenn die Inflation dauerhaft deutlich über dem Ziel von rund zwei Prozent liegt. Im Offenmarktausschuss der Fed gehen elf der 18 Mitglieder davon aus, dass die Leitzinsen im Jahr 2023 mindestens zweimal angehoben werden. Sieben Mitglieder rechnen bereits im nächsten Jahr mit einer Zinserhöhung.

Powell machte deutlich, dass eine Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik zunächst über eine Beschränkung der Anleihekäufe erfolgen würde, nicht über Leitzinsen.

Allerdings will die Fed nicht zu früh eingreifen, denn von einer vollständigen wirtschaftlichen Erholung sind die USA noch weit entfernt. Die Arbeitslosenquote sank zuletzt im Mai auf 5,8 Prozent. Allerdings liegt er noch deutlich über dem Wert von 3,5 Prozent vor der Pandemie. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie fehlen in den USA noch rund 7,6 Millionen Arbeitsplätze.

“Die Erholung ist unvollständig”, sagte Powell am Mittwoch. Gleichzeitig hob die Fed ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 6,5 Prozent auf 7,0 Prozent an.

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