Union bedroht die Fleischindustrie mit Streiks mit Konsequenzen für die Verbraucher ⋆ Nürnberger Blatt

Fleischindustrie

Im Tarifkonflikt in der Fleischindustrie drohte die Lebensmittel- und Getränke-Restaurantgewerkschaft (NGG) mit Streiks, deren Folgen auch die Verbraucher spüren konnten. “Die aktuelle Situation kann definitiv sehr schnell zu einem Streik eskalieren”, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Freddy Adjan von den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (Samstagsausgabe). “Selbst unsere Kollegen aus Polen und Rumänien sind nicht mehr bereit, Hungerlöhne zu akzeptieren”, versicherte der Gewerkschafter.

Wenn es in den Verhandlungen keine Einigung gibt, können längere Streiks nicht ausgeschlossen werden, warnte Adkan. “Dann könnte es auch leere Fleischtheken in den Supermärkten geben.”

Die ersten beiden Tarifrunden waren nicht schlüssig, und die dritte Verhandlungsrunde soll am kommenden Montag stattfinden. Laut RND haben Arbeitgeber ab dem 1. Juli einen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde angeboten. Sie soll bis zum 1. Juli 2024 in vier Schritten auf zwölf Euro erhöht werden. Die Arbeitnehmervertreter lehnen dies ab.

Die NGG fordert von allen Mitarbeitern in den Bereichen Schlachtung und Verarbeitung als Ausgangspunkt 12,50 Euro pro Stunde. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit sollte sie auf 14 Euro erhöht werden. Facharbeiter sollten auf jeden Fall 17 Euro pro Stunde erhalten. Darüber hinaus strebt die NGG Vereinbarungen über Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten, Prämien und Urlaub für rund 160.000 Mitarbeiter an.

Die Bundesregierung hat die Tarifverträge für allgemein verbindlich zu erklären. Dies würde bedeuten, dass sie für alle Unternehmen der Fleischindustrie gelten würden.

Adjan sieht die Gefahr höherer Preise für Fleisch und Wurst aufgrund der geforderten Zollerhöhung nicht. Die Personalkosten machten nur zehn Prozent des Umsatzes des Unternehmens aus, sagte er. Darüber hinaus sind Kunden eher bereit, steigende Fleischpreise zu akzeptieren, wenn die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen verbessert und der Tierschutz berücksichtigt werden.

In der “Neuen Osnbarücker Zeitung” verwies Adjan auf einen ersten Warnstreik in einem kleineren Schlachthaus in Bayern. “Wir haben auch kein Problem damit, größere Schlachthöfe niederzureißen”, fügte er hinzu. “Wir wollen den Hungerlöhnen für Knochenjobs ein Ende setzen.” Bisher haben Arbeitgeber jedoch nur „inakzeptable“ Angebote eingereicht.

In der “NOZ” bezeichnete Adjan den neuen Tarifvertrag, der vom Bundesarbeitsministerium für allgemein verbindlich erklärt wird, als “einzige Möglichkeit, Leiharbeitnehmer nach dem 1. April zu beschäftigen”. Ab dem 1. Januar war die Verwendung von Arbeitsverträgen in Schlachthöfen verboten. Eine entsprechende Übergangsfrist bis zum 1. April gilt für Zeitarbeit.

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