Uefa sollte die Ausrichtung von EM-Spielen in London überdenken ⋆ Nürnberger Blatt

Fußball

Angesichts der in Großbritannien grassierenden Delta-Variante des Coronavirus hat die stellvertretende EU-Kommissionspräsidentin Margaritis Schinas den europäischen Fußballverband Uefa aufgefordert, die Ausrichtung der letzten EM-Spiele in London zu überdenken. Das Halbfinale am 6. und 7. Juli und das Finale am 11. Juli im Londoner Wembley-Stadion halte er “persönlich” für nicht sinnvoll, sagte Schinas am Montag vor dem EU-Parlament in Brüssel.

„Ich möchte meine Zweifel mit Ihnen teilen“, wandte sich der EU-Kommissar an die Abgeordneten. Er hatte Bedenken, das Halbfinale und das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft “in einem vollen Stadion zu einer Zeit zu organisieren, in der das Vereinigte Königreich selbst die Reise seiner Bürger in die Europäische Union einschränkt”. Die Uefa müsse diese Entscheidung nun „sorgfältig analysieren“ und den Ort der Ausrichtung „in voller Sachkenntnis“ wählen.

In Großbritannien sind mittlerweile rund 95 Prozent der Corona-Neuinfektionen auf die deutlich ansteckendere Virusvariante Delta zurückzuführen. Die Ansteckungsrate im Vereinigten Königreich ist viermal höher als im EU-Durchschnitt. Forderungen nach einer Verlegung der letzten EM-Spiele in ein anderes Land hat die britische Regierung jedoch zurückgewiesen. Für das Halbfinale und das Finale sollen 60.000 Besucher ins Wembley-Stadion eingelassen werden.

Schinas räumte ein, dass es nicht in der Macht der EU liege, eine Verschiebung der Spiele zu erzwingen. “Das sind Entscheidungen, die von der UEFA getroffen werden”, sagte der EU-Kommissar.

In den vergangenen Tagen waren immer wieder Fälle von Corona-Infektionen nach dem Besuch von EM-Spielen bekannt geworden. Die finnischen Behörden teilten am Freitag mit, dass knapp 300 Zuschauer des Spiels Finnland gegen Belgien am Montag vergangener Woche in St. Petersburg positiv auf Corona getestet worden seien.

Die Behörden riefen alle Teilnehmer des Spiels erneut dazu auf, sich testen zu lassen und sich nach der Rückkehr nach Finnland für mindestens 72 Stunden zu isolieren. Seit die Rückkehr von rund 3.000 finnischen Fans am Dienstag für Staus an den Landesgrenzen sorgte, durften laut lokalen Medien knapp 800 Rückkehrer ohne Corona-Tests ins Land.

Die Delta-Variante hat sich in Russland massiv verbreitet. Am Montag meldeten St. Petersburg und die Hauptstadt Moskau einen neuen Höchststand bei den täglichen Corona-Toten.

Trotz der deutlichen Zuspitzung der Infektionslage bereitet sich St. Petersburg auf die Austragung des Viertelfinales der EM am Freitag vor. Das Spiel werde “wie geplant stattfinden”, erklärten die russischen Organisatoren. Ein Uefa-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Infektionslage mache für die Teams “keinen Unterschied”. Mehr als 26.000 Zuschauer werden erwartet, um das Spiel zu verfolgen.

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