Tintenfische warten auch auf eine bessere Belohnung ⋆ Nürnberger Blatt

Octopus – Bild: davidbauer1 über Twenty20

Nicht nur Menschen, Schimpansen, Raben und Papageien bestehen den sogenannten Marshmallow-Test: Kraken können auch länger auf eine größere Belohnung warten, anstatt der Versuchung einer kleineren zu erliegen. Dies geht aus einer Studie von Wissenschaftlern der British University of Cambridge hervor, die am Mittwoch in der Zeitschrift “Proceedings of the Royal Society B” veröffentlicht wurde.

Mit der Aussicht auf eine besonders schmackhafte Molluske nach einer Wartezeit konnten sich die Tintenfische im Experiment bis zu zwei Minuten lang beherrschen und auf die nicht so schmackhafte Molluske verzichten, die bereits vor ihnen lag. Mit dem Experiment wollten die Autoren der Studie die Selbstkontrolle und Lernfähigkeit der Kopffüßer testen. Zu diesem Zweck brachten sie sechs erwachsenen Tintenfischen bei, zwischen verschiedenen Beutetieren zu wählen.

Die Tintenfische wurden in separate zweiteilige Wassertanks gegeben. Dann hatten sie die Wahl: Entweder eine Weichtier, die sie nicht sofort essen möchten – oder später ihr Lieblingsessen. Tatsächlich warteten die Tintenfische 50 bis 130 Sekunden, um die begehrte Belohnung zu erhalten.

Der Versuchsaufbau basiert auf dem als Marshmallow-Test bekannten Experiment, das ein Team unter der Leitung des Psychologen Walter Mischel Ende der 1960er Jahre mit Kindern durchgeführt hat. Vierjährige erhielten einen Marshmallow und die Aussicht auf einen zweiten Marshmallow, wenn sie den ersten nicht aßen. Nicht alle Kinder akzeptierten diese verspätete Belohnung. Schimpansen, Raben und Papageien bestanden später ähnliche Tests.

Das Studium der Tintenfische untersuchte auch ihre Lernfähigkeit. So hatten sie die Wahl, zu einer weißen oder grauen Boje zu schwimmen. Nur an einer der Bojen gab es eine Belohnung in Form einer Krabbe. Sobald ein Tintenfisch erfahren hatte, von welcher Boje die Belohnung stammen würde, wurde das Belohnungssystem umgekehrt, so dass er nun zur Boje der anderen Farbe schwimmen musste.

Die Psychologin Alexandra K. Schnell von der Universität Cambridge und ihr Team stellten fest, dass die Tintenfische, die am schnellsten lernten, auch am längsten auf die begehrte Belohnung im anderen Experiment warten mussten. Die Studie enthält auch Erklärungen für diese Fähigkeit zu warten. Zum Beispiel müssten einige Arten den richtigen Moment für die Jagd lernen, weil sie sonst selbst eine leichte Beute für Raubtiere werden würden.

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