„Terminal Care ist keine Wissenschaft“ – GlücksPost

Wann beginnt der eigentliche Sterbeprozess und was kann man einem Menschen Gutes tun, wenn er sich dem Ende seines Lebens nähert? Diese und viele weitere Fragen rund um den nahenden Tod und den letzten Lebensabschnitt davor sind Thema dieses Samstagmorgens im Kirchenzentrum Busswil BE. Es regnet in Strömen und die Aussicht, sich einen Tag lang mit diesem schwierigen Thema beschäftigen zu müssen, trägt nicht zu einer besonders guten Stimmung bei. Aber ich bin auf meine Bitte hin hier – genau wie 19 andere Männer und Frauen, die sich für einen Letzte-Hilfe-Kurs angemeldet haben (siehe unten).

Kurse ausgebucht

Träger der Kurse sind die Landeskirchen, die Öffentlichkeit, die kantonale Spitex und das Palliativzentrum des Inselspitals Bern. „Diese Dreifachpatenschaft trägt maßgeblich dazu bei, Vertrauen in die Kurse und deren Qualität zu schaffen“, sagt Petra Burri, Pfarrerin in Büren an der Aare BE. Zusammen mit zwei Berufskolleginnen und der Palliativmedizinerin Christa Lehmann aus Büren liefert sie viel Interessantes rund um das Thema Sterben. „Die meisten wissen über Erste Hilfe Bescheid, aber wenn es um die letzten Dinge im Leben geht, sind viele überfordert“, sagt Petra Burri.

Unter den Kursteilnehmern sind einige, die sich kürzlich von einem geliebten Menschen verabschieden mussten, und andere, die sich leider bald verabschieden werden. Aber auch jüngere Leute, die sich dem Thema nähern wollen, sitzen mit mir im Kreis. „Im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer teilen wir alle eine große Unsicherheit, und es gibt nicht auf alle Fragen eine Antwort“, sagt der Pfarrer.

Trotzdem werden in den vier Kursstunden viele Fragen diskutiert und geklärt. „Die Sterbebegleitung ist nicht nur eine Wissenschaft für Experten, sondern etwas, das auch in der Familie und in der Nachbarschaft möglich ist“, erklärt Christa Lehmann, die uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern „Grundwissen“ vermitteln und uns ermutigen möchte, sich an die Absterben. Wir lernen zum Beispiel, wie wichtig es ist, den Mund oder die Lippen eines Sterbenden zu befeuchten. Wir probieren dies mit der Person, die neben uns oder uns sitzt, vorsichtig aus. Denn was viele nicht wissen: Auch wer an einen Aufguss angeschlossen ist, kann noch Durst verspüren. „Wenn jemand in seinem Leben gerne Prosecco oder Bier getrunken hat, dann können diese Getränke auch am mit Schaum bedeckten Stiel serviert werden“, sagt der Spitex-Mitarbeiter. “Hauptsache, es entspricht dem Sterbenden und ist für ihn angenehm.”

Sprechen Sie über das Thema

Inzwischen kennen wir uns in der Gruppe etwas besser, und ich bekomme von meinem Nebensitzenden einen Tipp, welchen Tee meine Mutter trinken könnte, wenn sie Angst und Unruhe hat: Hopfentee. Und ab und zu wird gut gelacht. Zum Beispiel, als ein Kursteilnehmer von einem fast hundertjährigen Mann erzählte, der beim Eintreffen des Arztes sagte: “Jetzt gibt es keine Hilfe mehr, jetzt werden wir sterben.”

Christa Lehmann ermutigt uns, mit unseren Eltern und Familien über „schwierigere Themen“ zu sprechen, damit wir voneinander wissen, was wir wollen, wenn es soweit ist. Das Wichtigste ist, eine Person zu benennen, die Auskunft geben kann, wenn Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind. Auch schriftliche Angelegenheiten sollten möglichst frühzeitig geregelt werden, wie das Ausfüllen oder Verfassen der Patientenverfügung und Patientenverfügung.

Offenheit erleben

Ich habe in diesen vier Stunden viel gelernt und auch viel Offenheit erfahren. Nicht nur von den Kursleitern, sondern von allen, die den Kurs besucht und ihre Geschichten erzählt haben, über ihre Fragen und Ängste gesprochen haben. Meine Stimmung hat sich sehr verbessert und es hat aufgehört zu regnen.

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