Stinkendes Fingerfoto eines 14-jährigen beschäftigten Obersten Gerichtshofs der USA ⋆ Nürnberger Blatt

Oberster Gerichtshof, USA – Bild: KK1902 über Twenty20

Der ehrwürdige Oberste Gerichtshof der USA hat sich am Mittwoch mit einem höchst ungewöhnlichen Thema befasst: dem Finger-Finger-Foto eines 14-jährigen Schulmädchens. Der Fall der jungen Cheerleaderin Brandi Levy könnte viele zum Lächeln bringen. Es geht aber um die sehr wichtige Frage nach den Grenzen der Meinungsfreiheit – und um die Frage, inwieweit Schulen junge Menschen dafür bestrafen können, dass sie sich in sozialen Netzwerken ausdrücken.

2017 bewarb sich Levy beim ersten Cheerleader-Team an ihrer Schule in Mahanoy City, Pennsylvania, aber ohne Erfolg. Die junge Person, die zum zweiten Cheerleader-Team gehörte, ließ ihre Frustration auf der Online-Plattform Snapchat frei: Sie veröffentlichte ein Foto von sich und einer Freundin mit hochgehaltenen Mittelfingern. Sie schrieb: “Fick die Schule, Fick Softball, Fick Cheer, Fick alles.”

Die Trainer der Schüler haben Wind von den Nachrichten bekommen – und sie für ein Jahr aus dem Team geworfen. Im Gegensatz dazu brachte die junge Person ihre Familie vor Gericht. Sie argumentierte mit der verfassungsmäßigen Meinungsfreiheit und betonte, dass sie sich nicht auf dem Schulgelände befand, als sie das Foto und die Nachricht veröffentlichte. Die Schule hätte sie dafür nicht bestrafen sollen.

Levy gewann in erster und zweiter Instanz, und die Schulbehörden gingen dann zum Obersten Gerichtshof in Washington. Sie beziehen sich auf eine wegweisende Entscheidung des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 1969: Damals durften Schulkinder aus Protest gegen den Vietnamkrieg schwarze Bänder an den Armen tragen. Gleichzeitig erklärte der Oberste Gerichtshof die Bestrafung von Schülern für rechtmäßig, wenn ihre Proteste den Schulbetrieb ernsthaft behinderten.

Im Fall Levy prüfen die Verfassungsrichter nun, ob diese Entscheidung auch auf Aussagen außerhalb des Schulgeländes anwendbar ist. Die Schulbehörden von Mahanoy argumentieren, dass es den Schulen gestattet sein sollte, Regeln für das Verhalten von Schülern außerhalb des Schulgeländes festzulegen, wenn ihr Verhalten Auswirkungen auf den Schulbetrieb haben könnte. Die Grenze ist nur künstlich, da sich Smartphones und Fernunterricht während der Koronapandemie ausbreiten.

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