Russland will Seegebiete im Schwarzen Meer für ausländische Schiffe blockieren ⋆ Nürnberger Blatt

Flagge von Russland

Trotz des von Russland angekündigten Truppenabzugs aus dem Grenzgebiet zur Ukraine ist ein Ende der Spannungen nicht in Sicht: Ab diesem Samstag plant Moskau, mehrere Seegebiete in der Nähe der annektierten Krimhalbinsel im Schwarzen Meer für ausländische Schiffe zu sperren. Westliche Staaten kritisierten scharf die Pläne, die auch die ukrainischen Häfen am Asowschen Meer betreffen könnten.

Russische Staatsmedien berichteten letzte Woche unter Berufung auf das Verteidigungsministerium über die Pläne Moskaus. Demnach will Russland den Durchgang ausländischer Kriegsschiffe und anderer Staatsschiffe durch bestimmte Gewässer im Schwarzen Meer für sechs Monate beschränken.

Berichten zufolge wäre ein Seegebiet von Sewastopol bis Hursuf vor der Südküste der annektierten Halbinsel Krim und ein “Rechteck” vor der Küste der Halbinsel Kertsch betroffen. An seiner Ostspitze liegt die Straße von Kertsch – eine wichtige Straße, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet. Die Ukraine nutzt diese Passage für ihre Stahl- und Getreideexporte. Die Hafenstadt Mariupol liegt am Asowschen Meer – der letzten großen Stadt in der Ostukraine, die noch von Kiew kontrolliert wird und ein wichtiger Industriestandort ist.

Angesichts der möglichen Auswirkungen der Sperrung auf die Ukraine kritisierten die westlichen Verbündeten die russischen Pläne scharf. In Anbetracht der Berichte warnte die US-Regierung Moskau vor einer “unbegründeten Eskalation” des Ukraine-Konflikts, und eine NATO-Sprecherin sprach von einer “Bedrohung der ukrainischen Unabhängigkeit”.

Im Ukraine-Konflikt hat sich die Situation zwischen Moskau und Kiew in den letzten Wochen erneut verschärft. In dem seit 2014 andauernden Konflikt zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee in der Ostukraine wurden bisher mehr als 13.000 Menschen getötet. Seit Mitte Februar haben die Kämpfe wieder zugenommen, was einen bereits fragilen Waffenstillstand weiter untergräbt.

Die Angst vor einer offenen russischen Invasion in der Ukraine löste in Kiew nahe der ukrainischen Grenze und auf der annektierten Krim massive russische Truppenbewegungen aus. Mehr als 20 russische Kriegsschiffe nahmen diese Woche an Militärübungen im Schwarzen Meer teil. Russland begründete die Manöver mit einer angeblichen Bedrohung durch die NATO.

Am Freitag sagte Russland, es habe begonnen, Soldaten aus den Grenzgebieten abzuziehen. Das Verteidigungsministerium in Moskau begründete den am Vortag angekündigten Schritt mit der Feststellung, dass die Ziele der militärischen Manöver in der Region erreicht worden seien. Kiew begrüßte die russischen Ankündigungen, forderte jedoch seine Verbündeten auf, gegenüber Moskau wachsam zu bleiben.

Leave a Comment