Nonne muss für Kirchenasyl 500 Euro zahlen ⋆ Nürnberger Blatt

Justitia – ein Symbol für Rechtsstaatlichkeit

Weil sie ausreisepflichtigen Frauen Kirchenasyl gewährte, wurde eine Nonne vor dem Amtsgericht Würzburg verurteilt. Das Gericht warnte die 38-jährige Franziskanerin aus dem bayerischen Kloster Oberzell am Mittwoch wegen Beihilfe zu ihrem illegalen Aufenthalt und ordnete eine Zahlung von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung an, wie ein Gerichtssprecher sagte. Verstößt sie gegen eine zweijährige Probezeit, muss die Nonne zudem eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen von 20 Euro – oder 600 Euro – zahlen.

Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe. Die Ordensschwester gestand, der Würzburger Bischof Franz Jung stand ausdrücklich hinter ihrem Handeln.

Die Nonnen in Oberzell gewährten 2019 und 2020 einer Frau aus Nigeria Kirchenasyl. Nach dem Dublin-Abkommen der Europäischen Union hätten die Frauen Deutschland nach Italien verlassen müssen, weil sie dort zum ersten Mal in die EU eingereist sind . Nach Darstellung der Frauen und Verurteilung der Nonnen wurde ihnen dort jedoch mit Zwangsprostitution gedroht.

Nach der Beschreibung der Fälle des Bistums Würzburg wurde die heute 23-jährige Frau im Alter von 15 Jahren von ihrer Mutter in die Zwangsprostitution geschickt. Ein Zuhälter brachte sie zunächst nach Libyen, dann nach Italien. Sie floh zweimal nach Deutschland. Ende 2019 lebte sie mehrere Monate im Kloster und hat nun ein Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Für die andere Frau, die von Februar bis Mai 2020 im Kloster war, ist ihr zukünftiger Aufenthalt in Deutschland ungewiss. Auch die 34-jährige Frau wurde nach Angaben des Bistums Würzburg zur Prostitution gezwungen. Sie hat sich auch bei einer Kundin mit HIV infiziert. Die Diözese sieht Kirchenasyl aufgrund der Einzelfälle mit extremer Notlage als gerechtfertigt an. Der Orden hat bereits angekündigt, im Falle einer Verurteilung alle Instanzen zu durchlaufen.

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