Neuer Prozess wegen tödlichem Aufprall vor Berliner U-Bahn gestartet ⋆ Nürnberger Blatt

Justitia - ein Symbol für Rechtsstaatlichkeit
Justitia – ein Symbol für Rechtsstaatlichkeit

Vor dem Landgericht Berlin hat am Donnerstag ein Prozess um einen tödlichen Schlag vor einer U-Bahn begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-jährigen Zakaria L. vor, im U-Bahnhof Kottbusser Tor einen 30-Jährigen ins Gleisbett gestoßen zu haben. Der 30-Jährige wurde von einer einfahrenden U-Bahn erfasst und erlag seinen Verletzungen.

Der Angeklagte soll das Opfer im Oktober 2019 nach einem Streit um Drogen “von hinten mit voller Wucht” ins Gleisbett gestoßen haben; danach soll er geflohen sein. Das Landgericht verurteilte L. im Mai vergangenen Jahres wegen versuchter Körperverletzung mit Todesfolge zu vier Jahren und drei Monaten Haft. Außerdem soll der Angeklagte in einer Reha-Einrichtung untergebracht werden.

Die Kammer sah zu diesem Zeitpunkt keine bedingte Tötungsabsicht und bestritt auch die Vollendung der Körperverletzung mit Todesfolge. Diese Einschätzungen seien rechtlich falsch, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) und ließ die Revisionen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage zu.

Zu Beginn des neuen Verfahrens am Donnerstag betonte der Vorsitzende Richter, der BGH habe die Feststellungen zum objektiven Sachverhalt bestätigt. Doch nun muss das subjektive Verhalten neu bewertet werden.

Der Verteidiger der Angeklagten verlas erneut eine Stellungnahme ihres Mandanten und eine ergänzende neue Stellungnahme. In der Erstzulassung hatte L. erklärt, er habe „keine schlüssige Erinnerung an die Vorfälle in der U-Bahn“. Er habe das Opfer laut neuer Aussage „spontan geschubst“ und „nicht gemerkt, dass er ins Gleisbett fallen könnte“.

Der Angeklagte wurde im November 2019 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Im neuen Verfahren sind bis Juli insgesamt vier weitere Verhandlungstermine vorgesehen.

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