Merkel-Berater führen Gespräche in Washington vor Bidens Europa-Besuch ⋆ Nürnberger Blatt

Weißes Haus, USA

Wenige Tage vor der ersten Europareise des neuen US-Präsidenten Joe Biden reiste diese Woche ein hochrangiges Verhandlungsteam unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Washington. Dies wird von den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgabe) unter Berufung auf deutsche und US-amerikanische Regierungskreise berichtet. Demnach sollen die Berater mit der US-Regierung unter anderem über das umstrittene Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 sprechen.

Geleitet wird die Delegation dem Bericht zufolge von Jan Hecker, dem außenpolitischen Berater der Kanzlerin, und Lars-Hendrik Röller, Merkels Chefwirtschaftsberater und Sherpa bei internationalen Gipfeltreffen im G7- und G20-Format. Es wird erwartet, dass sie sich mit Bidens nationalem Sicherheitsberater Jake Sullivan und der neuen US-Handelsvertreterin Katherine Tai treffen.

Dem Bericht zufolge wird das Auswärtige Amt in Berlin von Staatssekretärin Antje Leendertse vertreten, die zuletzt den transatlantischen Kontakt mit Nord Stream 2 koordiniert hat.

Die US-Regierung ist strikt gegen die 1200 Kilometer lange Ostseeröhre, mit der die Kapazität für russische Erdgaslieferungen nach Deutschland deutlich erhöht werden soll. Wie sein Vorgänger Donald Trump argumentiert Biden, dass Deutschland und Europa zunehmend von Russland abhängig werden und dem Gastransitland Ukraine schaden würden. Im Streit um die Pipeline will Washington jedoch die nach den Trump-Jahren wieder verbesserten Beziehungen zu Deutschland nicht gefährden.

Beim Treffen von Roller mit Thai, dem Nachfolger von Trumps Handelsvertreter Robert Lightizer, soll der Bericht die anhaltenden Spannungen im transatlantischen Wirtschaftsleben thematisieren. Nachdem der frühere Präsident Donald Trump die Verhandlungen über das TTIP-Freihandelsabkommen eingestellt hatte, verhängte er Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Europa, auf die die Europäische Union mit Vergeltungszöllen reagierte. Diese Strafen sind noch viereinhalb Monate nach Bidens Amtsantritt in Kraft.

Biden wird vom 11. bis 13. Juni zunächst am G7-Gipfel in der britischen Region Cornwall teilnehmen. Anschließend reist er zum NATO-Gipfel und einem EU-US-Gipfel nach Brüssel.

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