Mehr Parität kritisiert die Ausgrenzung armer Kinder

(Symbolfoto: pixa)

Als beschämenden Ausdruck tiefer sozialer Ungleichheit wertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen, wonach reiche Familien dreimal mehr für den Lebensunterhalt und die Teilhabe ihrer Kinder ausgeben als arme.

Der Verein weist darauf hin, dass Kinder aus armen Familien seit Jahren auf der Strecke bleiben und von gleichberechtigter sozialer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen sind. Neben einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung fordert der Verein eine bundesweite Lernmittelfreiheit, zu der auch die notwendige IT-Ausstattung gehört, sowie einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit.

„Es kann nicht akzeptiert werden, dass Kinderarmut als selbstverständlich angesehen wird. Was die Mehrheit ihrer Altersgenossen für selbstverständlich hält, wird armen Kindern aufgrund der Einkommenssituation der Eltern verwehrt. Was endlich gebraucht wird, ist eine mutige Politik zur Beseitigung der Armut“, fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Arme Familien sind gezwungen, an allem zu sparen, was über das physisch Notwendige hinausgeht. „Das Gefühl, nicht dazuzugehören, ausgegrenzt zu werden und sich abgrenzen zu müssen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland“, sagt Schneider.

Corona hatte die bestehende Lücke noch einmal schmerzlich deutlich gemacht und verschärft, unter anderem angesichts fehlender technischer Ausstattung für die digitale Teilhabe. „Im normalen Alltag fehlt es armen Familien schon vorne und hinten an Geld, um den Kindern eine unbeschwerte Kindheit und ein Minimum an Teilhabe zu ermöglichen. In der Pandemie hat sich die Not verschärft“, sagte Schneider.

Laut Statistischem Bundesamt stiegen die durchschnittlichen Konsumausgaben für ein Kind von 660 Euro (2013) auf 763 Euro (2018) im Monat. Die Ausgaben für Kinder bestehen unter anderem aus der materiellen Grundversorgung wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Dies machte rund die Hälfte der Ausgaben für Kinder aus. Rund 15 % der Ausgaben entfielen auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur. Während die ärmsten zehn Prozent der Familien durchschnittlich 424 Euro für ein Kind ausgeben, geben die reichsten zehn Prozent der Familien durchschnittlich 1200 Euro pro Kind aus.

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