Medizinischer Präsident Reinhardt fordert eine Koronapolitik auf der Grundlage “verlässlicher Daten” ⋆ Nürnberger Blatt

Bundestag – Bild: vinnikava via Twenty20

Der Präsident der Deutschen Ärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert die Politiker nachdrücklich auf, gut vorbereitete und wissenschaftlich gestaltete Entscheidungen zur Eindämmung der Korona zu treffen. “Weitreichende Sperrmaßnahmen wie Ausgangssperren oder erneute Schulschließungen sollten nicht im statistischen Flugblind eingeleitet werden, sondern auf der Grundlage sauberer und zuverlässiger Daten”, sagte er am Mittwoch gegenüber der “Rheinischen Post”.

“Die letzte Bundeslandrunde zur sogenannten Osterruhe hat gezeigt, dass halbherzige Entscheidungen Vertrauen und Akzeptanz in der Bevölkerung kosten können”, analysierte Reinhardt. Alle Beteiligten sollten daraus lernen. “Die weitere Koronapolitik in Deutschland sollte daher unter Einbeziehung eines breiteren Fachwissens aus zahlreichen Berufen im Bundestag erörtert und auch vom Parlament legitimiert werden.”

In Bezug auf die aktuelle Koronasituation sagte Reinhardt, dass die zunehmende Belegung der Betten auf den Intensivstationen „eine klare Warnung“ sei. Zuverlässige Umfragen zu Neuinfektionen sind derzeit nicht verfügbar, “weil die Berichte über Ostern möglicherweise weniger oder spät waren”.

Mit seinen Aussagen reagierte Reinhardt unter anderem auf die Forderung des NRW-Premierministers Armin Laschet (CDU) nach einer zeitlich begrenzten Sperrung. Dies möchte Laschet auf einer frühen Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) entscheiden. Die nächste Landesrunde ist bisher für Montag geplant.

Die Nationale Vereinigung der gesetzlichen Krankenversicherungsärzte (KBV) äußerte sich zurückhaltend gegenüber Laschets Ansatz. “Die ‘Brückensperre’, die er zusätzlich zu oder anstelle der seit November bestehenden Sperrung in die Diskussion eingebracht hat, kann nur bewertet und interpretiert werden, wenn bekannt ist, welche Maßnahmen und Zeiträume gemeint und enthalten sind”, sagte er KBV-Chef Andreas Gassen von der “Rheinischen Post”.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der Zeitung, dass eine harte, landesweite Sperrung “von nun an für mindestens zwei Wochen” notwendig sei. Dies bedeutet, dass „für alle Eröffnungsschritte ein Moratorium gelten muss, das ausdrücklich die Modellprojekte im Saarland einschließt“. Am Dienstag hat der Staat unter bestimmten Bedingungen bestimmte Bereiche wie Außenbereiche von Restaurants, Theatern und Kinos wiedereröffnet.

Lauterbach forderte unter anderem eine landesweite Ausgangssperre von 20 bis 6 Uhr und mehr Anforderungen an die Wirtschaft. “Die Testbereitschaft der Unternehmen ist immer noch viel zu gering. Wir brauchen obligatorische Tests in allen Unternehmen mit persönlicher Arbeit sowie obligatorischem Home Office”, sagte der SPD-Politiker.

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