Krankenschwestern im Saarland sollen Patienten ohne verschriebene Medikamente gegeben haben ⋆ Nürnberger Blatt

Justizia – Bild: izzet ugutmen / shutterstock.com

Da er Patienten aus Besessenheit nicht verschriebene Medikamente verabreicht haben soll, soll eine Krankenschwester im Saarland vor Gericht antworten. Die Staatsanwaltschaft von Saarbrücken erhob Anklage wegen versuchten Mordes in fünf Fällen und zwei gefährlichen Körperverletzungen, wie die Behörde am Freitag bekannt gab.

Der 29-Jährige arbeitete zwischen Anfang 2015 und Frühjahr 2016 sowie im Frühsommer 2016 auf Intensivstationen in zwei Kliniken. Dort soll er mehreren Patienten nicht verschriebene Herz-Kreislauf-Medikamente verabreicht haben. Dabei akzeptierte er die erhebliche Verschlechterung der Gesundheit und den Tod der Menschen.

Der Mann soll mit der Absicht gehandelt haben, durch Wiederbelebung emotionale Zufriedenheit und Anerkennung von Kollegen und Ärzten zu erlangen, unabhängig vom Erfolg. Die Patienten waren zwei 77-jährige Frauen und drei Männer im Alter von 31, 58 und 81 Jahren.

In allen Fällen kann von einem Mordversuch ausgegangen werden, sagte der Staatsanwalt. Zwei Patienten überlebten die verursachten Gesundheitsprobleme. In den anderen drei Fällen konnte kein Zusammenhang zwischen der Verabreichung des Arzneimittels und dem Tod des Patienten nachgewiesen werden. Der Gesundheitszustand eines Patienten verschlechterte sich infolge der Medikation erheblich, weshalb der 29-Jährige wegen zweier gefährlicher Körperverletzungen angeklagt wurde.

Der Mann wird seit 2016 untersucht. Er soll sich als Arzt in anderen Kliniken ausgegeben haben. Dies soll zu einem Kontakt zwischen den Ermittlern und dem Universitätsklinikum Homburg geführt haben, in dem der 29-Jährige zu dieser Zeit beschäftigt war.

Die Untersuchung basierte auf einem Vorfall, bei dem einem Patienten auf unverständliche Weise Medikamente verabreicht wurden. Das Verfahren wurde auf alle Fälle ausgedehnt, in denen Notfälle während oder kurz nach der Arbeitszeit des 29-Jährigen auftraten.

Neben den fünf angeklagten Fällen waren fünf weitere Patienten betroffen. In drei Fällen konnte die unsachgemäße Verabreichung des Medikaments nicht nachgewiesen werden. Für die beiden anderen Patienten könnte das Medikament auch von einem Arzt verschrieben worden sein. Die Untersuchungen an diesen Patienten werden in einem separaten Verfahren durchgeführt. In 21 weiteren Fällen wurden die Untersuchungen eingestellt.

Der 29-Jährige äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Derzeit befindet er sich in einer anderen Angelegenheit in Haft. Die Staatsanwaltschaft will ihm die Verbrechen unter anderem durch toxikologische und forensische medizinische Berichte nachweisen.

Der Fall erinnert an die Krankenschwester Niels Högel, die wegen Mordes an insgesamt 91 Intensivpatienten in zwei niedersächsischen Krankenhäusern zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Zwischen 2000 und 2005 verabreichte er Patienten selbst Medikamente, um lebensbedrohliche Zustände auszulösen und sie dann wiederzubeleben. Dabei starben viele Opfer.

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