Krankenkasse DAK warnt vor dramatisch steigenden Zusatzbeiträgen ⋆ Nürnberger Blatt

Symbolbild: Krankenversicherungskarte mit Wechselgeld

Angesichts der zunehmenden Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung hat die Krankenversicherung DAK vor einer dramatischen Beitragserhöhung für Versicherte gewarnt. Bis 2025 droht den gesetzlichen Kassen ein Rekordminus von 27,3 Milliarden Euro, wie eine am Montag in Berlin veröffentlichte Analyse des Berliner Iges-Instituts für die DAK zeigt.

Damit könnte der aktuelle Zusatzbeitrag für Versicherte bereits 2023 um 1,2 Prozentpunkte steigen und sich damit nahezu verdoppeln. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag könnte bis 2025 sogar um 1,6 Prozentpunkte steigen. „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, droht den Versicherten bereits 2023 die historisch größte Beitragserhöhung“, warnte DAK-Geschäftsführer Andreas Storm.

Die Analyse ermittelte den mittelfristigen Finanzbedarf der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Schätzungen zufolge wird der zusätzlich benötigte Bundeszuschuss für die Kassen bereits 2022 auf 15,6 Milliarden Euro steigen – das ist mehr als doppelt so viel wie derzeit im Bundeshaushalt vorgesehen. Soll der Zusatzbeitragssatz bis 2025 stabil bei 1,3 Prozent bleiben, müsse die künftige Bundesregierung schnell eine grundlegende Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherung in Angriff nehmen, forderte Storm. Er will auch eine deutliche Erhöhung des Steuerzuschusses für versicherungsfremde Leistungen.

Als Gründe für das drohende Milliardendefizit nennt die Studie nicht nur die Kosten der Bekämpfung der Corona-Pandemie, sondern auch „preistreibende Gesetze“ der Bundesregierung in den letzten Jahren. Hinzu kommen höhere Kosten durch den medizinisch-technischen Fortschritt und die demografische Entwicklung. Der von der Bundesregierung beschlossene Zuschuss von sieben Milliarden Euro für die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr sei bei weitem nicht ausreichend, kritisierte Storm.

Der DAK-Chef forderte auch, die sogenannten versicherungsfreien Leistungen wie die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern, Ehegatten und Rentnern, aber auch Kinderbetreuungs- und Mutterschaftsgeld, stärker aus Steuermitteln zu finanzieren. Dies muss auch dazu dienen, die Beiträge stabil zu halten. Den versicherungsfremden Leistungen mit einem Finanzvolumen von rund 41 Milliarden Euro steht laut Iges-Studie ein regelmäßiger Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro gegenüber.

Der Schatzmeister forderte die künftige Bundesregierung auf, eine Definition der versicherungsfremden Leistungen in das Vierte Buch Sozialgesetzbuch aufzunehmen. Dies könnte die Verlässlichkeit und Transparenz der mittelfristigen Finanzplanung erhöhen.

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