Kinderarbeit nimmt weltweit erstmals seit zwei Jahrzehnten zu ⋆ Nürnberger Blatt

Kinderarbeit – Bild: Karetnikova_Elena via Twenty20

Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten haben internationale Organisationen einen Anstieg der Kinderarbeit festgestellt. Anfang 2020 waren einem am Donnerstag veröffentlichten Unicef-Bericht zufolge weltweit rund 160 Millionen Kinder Opfer von Kinderarbeit – 8,4 Millionen mehr als vier Jahre zuvor. Die Lage dürfte sich aufgrund der Corona-Pandemie daher deutlich verschlechtern.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef ​​und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) beschreiben in ihrem Vierjahresbericht eine dramatische Umkehr eines jahrelangen Abwärtstrends: Zwischen 2000 und 2016 sank die Zahl der Opfer von Kinderarbeit um 94 Millionen.

Prozentual lag der Anteil der Kinder in Kinderarbeit Anfang 2020 den Angaben zufolge auf dem gleichen Niveau wie 2016. Das Bevölkerungswachstum führte jedoch zu einem deutlichen nominalen Anstieg.

“Wir verlieren im Kampf gegen Kinderarbeit an Boden”, sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. Die Covid-19-Krise verschlimmert nun eine schlimme Situation. Sollten die jüngsten Prognosen zum Anstieg der Armut durch die Pandemie eintreten, werden laut Unicef ​​bis Ende 2022 weitere neun Millionen Kinder zur Kinderarbeit gezwungen.

Statistische Modellierungen zeigen, dass diese Zahl deutlich höher sein könnte. “Durch Sparmaßnahmen und andere Faktoren könnte die Zahl der Kinder in Kinderarbeit bis Ende nächsten Jahres um (zusätzliche) 46 Millionen steigen”, sagte Unicef-Statistikspezialistin Claudia Cappa der Nachrichtenagentur AFP.

Insgesamt sind dem Bericht zufolge die Fünf- bis Elfjährigen mehr als die Hälfte der Opfer von Kinderarbeit. Fast zwei Drittel aller Kinderarbeiter sind Jungen. Allerdings steigt der Anteil der Mädchen deutlich an, wenn man die Arbeit im eigenen Haushalt mit einbezieht.

Unicef ​​und ILO heben insbesondere die Situation von Kindern in Subsahara-Afrika hervor. Dort gab es mit zusätzlich 16,6 Millionen Kinderarbeitern den stärksten Anstieg. Gründe sind wiederkehrende Krisen, extreme Armut und unzureichende Sozialschutzmaßnahmen. Fast ein Viertel der Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren in der Region wird als Kinderarbeit eingestuft, verglichen mit 2,3 Prozent in Europa und Nordamerika.

Der Sektor, in dem Kinderarbeit am häufigsten vorkommt, ist die Landwirtschaft, die dem Bericht zufolge 70 Prozent der weltweiten Gesamtzahl von 112 Millionen Kindern ausmacht. Rund 20 Prozent der Kinderarbeit findet im Dienstleistungssektor statt und rund 10 Prozent in der Industrie.

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