Jugend soll nicht nur schimpfen, sondern wählen

(Symbolfoto: pixa)

Osnabrück. Im Vorfeld der Bundestagswahl kritisierten Jugendliche immer wieder, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten deutlich älter sei und die Interessen der Jugendlichen nicht ausreichend vertreten seien. Dieser Kritik begegnete Parteiforscher Oskar Niedermayer in einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ): „Ja, lieber Gott, es war schon immer so, dass die Mengen in einer Demokratie unterschiedlich sein können.“ Der Politologe fügte hinzu: „Wenn aber jetzt die Jugend beklagt, dass die Älteren eine größere Rolle spielen, muss man gleichzeitig sehen, dass bei diesen Jüngeren die geringste Wahlbeteiligung liegt. Die Jugend selbst könnte das ändern und sollte sich nicht nur beschweren, sondern auch wählen. “

Angesichts einer stärker fragmentierten Parteienlandschaft rechnet Niedermayer mit einer schwierigen Regierungsbildung. In einem Interview mit der NOZ sagte Niedermayer, man müsse sich angesichts einer möglichen Dreiparteienkonstellation über politische Lagergrenzen hinweg „auf längere und schwierigere Regierungsbildungen und möglicherweise weniger Stabilität in den Koalitionen einstellen. Eine Regierung kann schneller über eine Krise stürzen. “

Diese Entwicklung bedeutet auch, dass Kompromisse nicht innerhalb der Parteien vorbereitet werden, die dann einen Großteil der Wähler hinter sich sammeln, sondern zwischen den Parteien. „Das ist schwieriger“, sagt der Politologe. Ein Vorteil vieler starker Parteien könnte sein, dass die Gesellschaft besser vertreten wäre. “Aber bei den großen Herausforderungen geht es nicht nur um die Vertretung unterschiedlicher Interessen, sondern vor allem um deren Zusammenführung, die dann zu einem politischen Kompromiss und einem Handlungsauftrag führen soll.”


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