Innenminister Soylu sagte nicht “Kanonen”

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu. (Archivfoto: Screenshot / Twitter)

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Die lokalen Leitmedien wollen Deutschland mit antitürkischer Propaganda überdecken. Zumindest steht das schon lange fest. Bei türkischstämmigen Mitbürgern hierzulande stehen die Chancen jedoch schlecht, da sie die deutsche und die türkische Sprache gleichberechtigt beherrschen. Warum haben WELT, TAGESSCHAU oder der STERN das Bedürfnis verspüren, einem türkischen Innenminister Worte und Sätze zuzuschreiben, die er noch nie benutzt hat?

Das angebliche Zitat des türkischen Innenministers Süleyman Soylu, das in ihren Berichten von verschiedenen führenden Medien zitiert wurde, ist falsch oder schrecklich schlecht übersetzt. Demnach erklärte Süleyman Soylu nach dem Botschafter-Skandal bei einer Eröffnungsveranstaltung in Istanbul: „Sie können mit Kanonen oder Gewehren kommen – und nicht nur mit zehn Botschaftern. Selbst wenn sie mit allen Botschaftern der Welt hierher kämen, könnten sie dem türkischen Volk kein Haar geben“. Die eigentliche Übersetzung des Begriffs „topunuz“ lautet jedoch nicht „Kanonen“, sondern (ungefähr) „alle“.

Waren der Übersetzer oder die Übersetzer betrunken? Machen die Medien jetzt Politik? Sensibel, da Propaganda als Manipulationsmittel des Dritten Reiches dramatisch aufgeladen wird. Warum machen namhafte Medien diesen Fauxpas, wenn es um die Türkei geht?

Die dort aufgestellte Behauptung soll offenbar dazu dienen, die deutsche Gesellschaft aufzurütteln, Partei zu ergreifen und in eine Abwehrstimmung zu versetzen. Aber dass WELT oder TAGESSCHAU eine ganze Live-Performance eines türkischen Ministers Stück für Stück zerschneiden und daraus einen neuen Satz formen, ist neu.

Bisher mussten sich türkischstämmige Menschen in Deutschland mit kleinen propagandistischen Stilmitteln auseinandersetzen. Dies hat sich offenbar seit dem Skandal um zehn westliche Botschafter, die sich in die türkischen inneren Angelegenheiten eingemischt haben, grundlegend geändert. Jetzt schöpfen Sie aus dem Vollen und greifen auf Ressourcen zurück, die Sie an die dunkelsten Zeiten erinnern.

Gut, dass die türkischstämmigen Menschen in Deutschland wachsam sind und den vierten Stand genau unter die Lupe nehmen, wenn sie etwas über die Türkei berichten. Schließlich beherrschen sie nicht nur die Sprache, sondern auch den Kontext, können Zusammenhänge erkennen und sich eine Meinung bilden.

Die Rede des türkischen Innenministers am 23. Oktober während der Eröffnungsfeier des Sportkomplexes Ayazağa in Istanbul-Sariyer kann öffentlich im Internet schriftlich nachgelesen oder in Videos verfolgt werden. Welch ein Glück, dass auch die türkischstämmigen Menschen ihre Satelliten und Internetverbindungen auf die Türkei gerichtet haben. Sonst wäre diese Propaganda selbstverständlich.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und geben nicht unbedingt die Sichtweise von nex24 wieder.


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