In Düsseldorf ⋆ Nürnberger Blatt wurde ein Prozess gegen den mutmaßlichen IS-Kriegsverbrecher eingeleitet

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Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher der dschihadistischen Miliz des Islamischen Staates (IS) begann am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf. Zu Beginn wurde laut einem Gerichtssprecher die Anklage vorgelesen. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die 35-jährige Nurten J. aus Leverkusen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien, wo sie freiwillig dem IS beigetreten sein soll.

Darüber hinaus muss sie sich für Kriegsverbrechen, Verstöße gegen ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht und Verstöße gegen das Waffengesetz verantworten. Es ist zu erwarten, dass der Angeklagte am zweiten Tag der Anhörung zu den Vorwürfen Stellung nehmen wird, sagte ein Gerichtssprecher.

Der Anklageschrift zufolge soll die deutsche Staatsbürgerin im Februar 2015 mit ihrer damals dreijährigen Tochter nach Syrien gereist sein, um sich dem IS anzuschließen und in seinem „Territorium“ zu leben. Infolgedessen setzte sie ihre Tochter in Gefahr, “unter der willkürlichen Herrschaft und ideologischen Indoktrination des IS in einem Kriegsgebiet leben zu müssen, Kämpfen ausgesetzt zu sein und infolgedessen getötet zu werden”.

Ein sogenanntes Heiratsbüro arrangierte die Hochzeit nach einem islamischen Ritus mit einem hochrangigen ISIS-Mitglied, das ebenfalls aus Deutschland angereist war. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft unterwarf sich die Angeklagte “freiwillig” den Regeln des IS, der ihrer Familie kostenlose Wohnungen zur Verfügung stellte, deren rechtmäßige Eigentümer vertrieben worden waren oder geflohen waren.

J. soll in den Gemeinschaftsräumen “physische Kontrolle” über zwei vollautomatische Kalaschnikow-Sturmgewehre vom Typ AK47 ausgeübt haben. Außerdem besaß sie selbst eine halbautomatische Pistole, die sie „immer griffbereit und geladen“ bei sich haben soll.

In den Jahren 2016 und 2017 erhielt der Angeklagte regelmäßig Besuche von einem Freund, der auf Wunsch von J. einen vom IS versklavten Yeziden mitbrachte. Die Angeklagte soll die „unbezahlte Arbeit“ der Yezidi für ihre eigenen wirtschaftlichen Zwecke eingesetzt haben. “Nurten J. folgte der Ideologie des IS, aus dessen Sicht die Versklavung der Jesiden religiös gerechtfertigt war”, heißt es in der Anklage.

Nachdem der IS seine Herrschaft in Syrien verloren hatte, wurden die Angeklagten und ihre Familie in kurdische Gefangenschaft gebracht. Zuletzt war sie in der Türkei in Haft. Sie wurde nach ihrer Einreise nach Deutschland im Juli 2022 festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Das Staatssicherheitsverfahren ist zunächst bis Ende April angesetzt.

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