Im Einzelhandel besteht kein erhöhtes Infektionsrisiko

(Beispielfoto: nex24)

Bei der Arbeit im Einzelhandel besteht kein erhöhtes Infektionsrisiko durch das SARS-CoV-2-Virus. Dies ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung des Fachverbandes für Handels- und Warenlogistik (BGHW) und der Bundesanstalt für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (BAuA).

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand reichen die geltenden Vorschriften für technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen offensichtlich aus, um einen wirksamen Schutz der Mitarbeiter vor Koronainfektionen am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Die Studie basiert auf den Ergebnissen von drei Studien: der Befragung von Einzelhandelsunternehmen durch die BGHW, der Analyse von Daten der BARMER-Krankenkasse zu den an Korona leidenden Berufsgruppen und der Auswertung epidemiologischer Daten durch die BAuA. Alle beweisen: Das Infektionsrisiko bei der Arbeit im Einzelhandel ist nicht erhöht.

Es wurden unter anderem Daten von elf Einzelhandelsunternehmen mit rund 331.000 Mitarbeitern ausgewertet. Zwischen Mitte März und Ende Oktober 2020 erkrankten rund 0,6 Prozent der Mitarbeiter an dem Virus. Im gleichen Zeitraum infizierten sich dagegen rund 0,8 Prozent der Bevölkerung. Damit liegt der Anteil kranker Arbeitnehmer in der Allgemeinbevölkerung sogar unter dem Mittelwert der entsprechenden Altersgruppe. In den betrachteten Handelsbereichen gab es keine wesentlichen Unterschiede. Beispielsweise blieb im Lebensmitteleinzelhandel, der in allen Sperrphasen geöffnet war, die Häufigkeit von Infektionen unauffällig.

Schutzmaßnahmen wirksam

„Die Schutzmaßnahmen der Unternehmen spielen sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle für das geringe Infektionsrisiko. Zum Beispiel die Trennwände an den Registrierkassen und Serviceschaltern, die Abstandsregeln, die Vorschriften für das Tragen von Mund- und Nasenabdeckungen, eine verbesserte Belüftung und eine verbesserte Reinigung “, sagt Dr. Stefan Mayer von der Präventionsabteilung des BGHW.

Darüber hinaus verwendeten alle befragten Unternehmen das Corona-Management mit eigener Kontaktverfolgung. “Dies hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass Infektionen normalerweise auf einzelne Mitarbeiter beschränkt waren”, sagte Mayer. Die Ursache für die gemeldeten Infektionen lag meist sogar außerhalb des Unternehmens.

Keine risikoreichen Kontakte im Einzelhandel

Die hohe Anzahl von Kontakten zwischen Mitarbeitern und Kunden deutet bisher auf ein erhöhtes Infektionsrisiko hin. Epidemiologische Daten aus verschiedenen Kontaktszenarien zeigten jedoch, dass kurze Kontaktzeiten, wie sie im Einzelhandel üblich sind, im Allgemeinen ein geringeres Infektionsrisiko beinhalten als längere Kontaktzeiten.

Die Kontaktdauer von 15 Minuten, die den Grenzwert für Hochrisikokontakte darstellt, wird je nach regionaler Infektionsrate nicht zwangsläufig erreicht, auch wenn Mitarbeiter während der Arbeitsschicht mit infizierten Personen in Kontakt kommen. Für Szenarien, die bei lokalen Ausbrüchen auftreten können, wurden insgesamt sechs bis zehn Minuten Kontaktzeit abgeleitet.

In einer weiteren methodisch unabhängigen Analyse der Krankenversicherungsdaten wurde auch festgestellt, dass das allgemeine Krankheitsrisiko für den Einzelhandel unauffällig blieb. Dies gilt auch für die Bereiche des Einzelhandels, in denen während der Sperrphasen gearbeitet wurde.

Bisher wurden nur wenige Studien zu dieser Frage durchgeführt, insbesondere aus dem Ausland, in denen einzelne Infektionscluster untersucht wurden. Die jetzt vorgestellte Studie bewertet die Situation speziell für Deutschland und zeigt, wie die getroffenen Maßnahmen mit den Ergebnissen aus anderen Ländern verglichen werden.

Der vollständige Artikel erscheint in Kürze in der Zeitschrift “Arbeitsschutz in Recht und Praxis” des Beck-Verlags in Zusammenarbeit mit der BAuA.

Leave a Comment