G7-Gipfel in Cornwall beginnt mit Beratungen zu den Folgen der Corona-Krise Nürnberger Blatt

Corona – Bild: 9_fingers_ über Twenty20

Erstmals seit fast zwei Jahren treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten wieder persönlich zu einem Gipfel: Im Mittelpunkt der Gespräche in Cornwall im Südwesten Englands, die am Freitagnachmittag beginnen, stehen den Kampf gegen die Corona-Pandemie, den Klima- und Artenschutz und die Stärkung demokratischer Werte. Die vom Gastgeber Großbritannien angekündigte Spende von einer Milliarde Impfdosen für ärmere Länder wurde von Hilfsorganisationen als zu gering kritisiert.

Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie bringt der Gipfel in Carbis Bay die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada, Japan und den USA wieder persönlich zusammen. Es ist das erste internationale Gipfeltreffen seiner Amtszeit für US-Präsident Joe Biden sowie für den Italiener Mario Draghi und den Japaner Yoshihide Suga. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mittags in Cornwall eingetroffen ist, sollte es der letzte sein.

Kurz vor Beginn des Gipfels kündigte das Weiße Haus am Freitag an, Merkel werde am 15. Juli von Biden in Washington empfangen. Auch Berlin bestätigte den Besuch. Themen werden nach Angaben der USA die Folgen der Corona-Krise, der Klimawandel sowie Sicherheit und Demokratie sein. Der Streit um die Nord Stream 2-Pipeline in der Ostsee wird wahrscheinlich kommen, auch wenn keine Seite das Thema explizit erwähnt. Ob sich Merkel und Biden bilateral in Carbis Bay treffen würden, war am Freitagnachmittag noch offen.

Auf dem bis Sonntag dauernden Gipfel stehen eine Reihe von Beratungen auf dem Programm, die durch strenge Corona-Infektionsschutzmaßnahmen abgesichert sind. Im Fokus stehen am Freitag zunächst die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie und bessere Bildungschancen für Mädchen. Für den Abend ist ein Empfang mit Queen Elizabeth II. und zahlreichen weiteren Mitgliedern der königlichen Familie geplant.

Am Samstag dominieren Wirtschaft und Außenpolitik den Gipfel. Auch Australien, Südkorea, Südafrika und Indien nehmen von Zeit zu Zeit an den Gesprächen teil. Vor einem Grillabend in entspannter Atmosphäre am Strand geht es auch um den Kampf gegen die Corona-Pandemie. Am Sonntag steht der Klimawandel im Fokus.

Die britische Regierung teilte am Donnerstagabend mit, dass die Staats- und Regierungschefs voraussichtlich ankündigen werden, “dass sie der Welt mindestens eine Milliarde Dosen Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung stellen werden”. London will laut Premierminister Boris Johnson 100 Millionen Dosen beisteuern.

US-Präsident Joe Biden hat bereits eine Spende von 500 Millionen Impfdosen für 92 ärmere Länder angekündigt. Dies sei ein “historischer Schritt” im Kampf gegen die Pandemie, sagte Biden am Donnerstagabend in Südengland.

Die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam kritisierte die Spendenzusagen als zu niedrig. Mindestens elf Milliarden Dosen sind erforderlich, um gegen die Pandemie erfolgreich zu sein. Wenn sich der G7-Gipfel nur zu einer Milliarde Dosen verpflichtet habe, sei er “ein Fehlschlag”, sagte Oxfam.

Nach Angaben der Organisation One hatten sich die G7-Staaten über 2,5 Milliarden mehr Impfstoffdosen gesichert, als sie benötigten. Bisher wurden weltweit 2,3 Milliarden Impfungen durchgeführt, ein Viertel davon in den G7-Staaten. Diese machen jedoch nur zehn Prozent der Weltbevölkerung aus.

Der Kampf gegen die globale Erwärmung ist die zweite Priorität des Gipfels. Johnsons erklärtes Ziel sei ein “Marshall-Plan”, der auf der massiven US-Finanzhilfe für den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg basiert, um Entwicklungsländern dabei zu helfen, die Treibhausgasemissionen ihrer Volkswirtschaften zu reduzieren, berichtete die Times.

Von der G7 wird auch erwartet, dass sie den Entwicklungsländern mehr Infrastrukturhilfe zukommen lässt, um dem wachsenden Einfluss Chinas in Afrika, Asien und Lateinamerika entgegenzuwirken. Geplant sei eine Initiative mit “hohen Standards, transparenten, klimafreundlichen und korrupten Mechanismen”, sagte ein US-Vertreter. Auch der Schutz der Biodiversität steht auf der Agenda.

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