Forschung: Amazon verbietet Mitarbeitern die Verwendung von FFP2-Masken

(Archivfoto: nex24)

Amazon verhindert, dass sich seine Mitarbeiter am niedersächsischen Standort Winsen (Luhe) bei der Arbeit mit FFP2-Masken schützen.

Entsprechende Dokumente stehen dem ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) zur Verfügung. Im Februar gab Amazon gegenüber Mitarbeitern bekannt, dass in Winsen nur medizinische Einwegmasken (auch als chirurgische Masken bezeichnet) getragen werden dürfen. Unter dem Text wurde eine durchgestrichene FFP2-Maske angezeigt. Laut “Panorama” -Forschung hat sich an dieser Praxis nichts geändert, eine ähnliche Mitteilung vom April ist verfügbar. Mehrere Amazon-Mitarbeiter bestätigen diese Regelung ebenfalls.

Aus rechtlicher Sicht reichen medizinische Einwegmasken derzeit aus, um die Maskenanforderungen zu erfüllen. FFP2-Masken gelten jedoch als sicherer. Sie dienen nicht nur dem Schutz Dritter, sondern schützen – richtig getragen – auch den Träger der Maske, indem sie Partikel, Tröpfchen und Aerosole fernhalten.

Amazon möchte das Verbot nicht speziell kommentieren. Als Antwort auf eine „Panorama“ -Anfrage gibt die Gruppe jedoch zu, dass sie nur medizinische Masken bereitstellt. Ausnahmen können gemacht werden, wenn Mitarbeiter dies wünschen. Amazon gab schriftlich bekannt: „Unsere Maßnahmen gehen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus und wirken gegen die Übertragung des Virus. Dies wurde von Gesundheitsbehörden und Berufsverbänden bestätigt. “”

Hintergrund des Verbots sind offenbar zusätzliche Wiederherstellungszeiten. Dies schlagen Aussagen eines Amazon-Mitarbeiters vor. Sie sprach mit ihrem Manager über FFP2-Masken. Er sagte, dass FFP2-Masken verboten seien, damit die Mitarbeiter keine zusätzliche Pause erhalten müssten. Laut einer Empfehlung der deutschen Unfallversicherung sollten FFP2-Masken je nach körperlicher Schwere der Arbeit maximal 75 Minuten bis zwei Stunden am Stück getragen werden, gefolgt von einer halben Stunde ohne Maske Zeit. Für leichte körperliche Arbeit kann es auch drei Stunden lang getragen werden.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verurteilt diese Praxis von Amazon als „ungerechtfertigt“ und „unethisch“. Aus seiner Sicht ist dies ein “Risiko für die Mitarbeiter”. In einem Interview mit „Panorama“ fordert Lauterbach FFP2-Anforderungen in Unternehmen, wann immer eine Aerosolübertragung wahrscheinlich ist. Diese Regelung ist auch die bessere Alternative für Unternehmen. Denn: “Wenn die Arbeitgeber dies nicht verstehen, können wir irgendwann zu einem Punkt kommen, an dem wir die Fabriken für eine Weile schließen müssen.”

In einem anderen Logistikzentrum in Leipzig erlaubt Amazon den Mitarbeitern zumindest, mitgebrachte FFP2-Masken zu tragen – und ermöglicht den Mitarbeitern – unabhängig davon, welche Maske sie tragen – nach zwei Stunden eine halbstündige maskenfreie Pause einzulegen. Diese Regelung geht jedoch vollständig zu Lasten der Mitarbeiter, wie Thomas Rigol, Vorsitzender des Betriebsrats am Standort Leipzig Amazon, in “Panorama” berichtet. “Die Stunden werden vom Überstundenkonto abgezogen”. Da dies langfristig zu erheblichen negativen Arbeitszeiten führt, nutzen die Mitarbeiter diese freiwillige Pause kaum. Rigol befürchtet, dass das Infektionsrisiko steigt, wenn Mitarbeiter zwischendurch heimlich ihre Masken abnehmen, um tief durchzuatmen. Amazon weist darauf hin, dass für die medizinischen Einwegmasken, die sie ihren Mitarbeitern anbieten, keine zusätzlichen Pausen erforderlich sind.

Amazon wurde seit Beginn der Pandemie ein unzureichender Infektionsschutz vorgeworfen. An mehreren Stellen sind bereits Corona-Ausbrüche aufgetreten. Während der ersten Welle der Pandemie testeten mehr als 50 Mitarbeiter des Logistikzentrums in Winsen (Luhe) positiv auf das Koronavirus, wie das NDR-Format “STRG_F” im Mai 2020 berichtete (https://www.youtube.com/watch?v=FOUFWMF2tus&t=20s). Es ist unklar, wie viele Amazon-Mitarbeiter in den jeweiligen Logistik- und Vertriebszentren positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Amazon liefert keine Informationen zu den Nummern.

Die wirtschaftliche Situation bei Amazon hat sich während der Koronapandemie hervorragend entwickelt. Der Wert der Aktie hat sich seit Ausbruch des Virus fast verdoppelt. Professor Klaus Dörre beschreibt den Umgang von Amazon mit dem Gesundheitsschutz als skandalös. Der Arbeits- und Industriesoziologe der Universität Jena hat sich intensiv mit Amazon und seinem Beschäftigungsmodell befasst. Amazon betrachtet Dörre nur als die Spitze des Eisbergs.

“Insgesamt haben wir viel Nachlässigkeit in den Unternehmen.” Tatsächlich ging das Geschäft nach der ersten Welle in produzierenden Unternehmen einfach weiter. Das habe zu einer zweistufigen Gesellschaft unter den Mitarbeitern geführt, sagte Dörre. „Einige sitzen im Home Office, andere müssen täglich anwesend sein. Und man würde erwarten, dass sie zumindest den bestmöglichen Schutz genießen würden. Wenn dies nicht der Fall ist, führt dies zu Unzufriedenheit und zusätzlicher Bitterkeit.

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