Ermittlungen nach Messerangriff in Würzburg laufen noch auf Hochtouren ⋆ Nürnberger Blatt

Polizei

Nach dem tödlichen Messerangriff in Würzburg laufen die Ermittlungen nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) “auf Hochtouren”. Das Motiv für die Tat müsse nun geklärt werden, sagte Herrmann am Samstag auf einer Pressekonferenz. Die Frage, wie die Psyche des Täters aussieht und wie stark mögliche islamistische Hintergründe sind. Die Ermittler gehen daher weiterhin von einem Einzeltäter aus.

Bei dem Angriff auf einen 24-jährigen Somalier am Freitag in der Würzburger Innenstadt sind drei Menschen getötet und fünf weitere schwer verletzt worden, von denen zwei am Samstag noch um ihr Leben kämpften. Zwei Leichtverletzte haben laut Polizei inzwischen das Krankenhaus verlassen.

Laut Polizeichef Gerhard Kallert von der unterfränkischen Polizei suchte der Täter zunächst Rat bei einer Verkäuferin der Haushaltswarenabteilung in einem Kaufhaus, nahm dann ein Messer aus der Auslage und stach plötzlich auf eine Verkäuferin ein, die mehrfach ihren Verletzungen erlag.

Im Kaufhaus tötete er zwei weitere Frauen mit Stichen. Zwei Minuten nach dem ersten Notruf trafen die ersten Rettungskräfte ein. Der Täter, der nach Angaben der Ermittler auch andere Menschen auf der Straße angriff, wurde daraufhin von der Polizei mit einem Schuss in den Oberschenkel gestoppt.

Nach Angaben des Bamberger Generalstaatsanwalts Wolfgang Gründler war der Somali zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft registriert und steht im Rahmen eines Asylverfahrens unter subsidiärem Schutz, dh er hielt sich legal in Deutschland auf.

Es habe in der Vergangenheit einige Verhaltensprobleme gegeben, sagte Gründler. Der Mann geriet beispielsweise in Streit mit Mitbewohnern und Verwaltern im Obdachlosenheim und nahm ein Küchenmesser in die Hand; aber es gab keine Verletzten. Nach einem anschließenden Ermittlungsverfahren wegen Drohungen und Beleidigungen erfolgte eine vorläufige Einweisung in eine psychiatrische Anstalt.

Zudem wurden in der Vergangenheit die Angaben eines anderen Asylbewerbers geprüft, wonach der im Mai 2015 nach Deutschland eingereiste Angeklagte am Telefon mitteilte, im Alter von zwölf Jahren Straftaten begangen zu haben. Dies konnte jedoch nicht verifiziert werden.

Zudem kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Juni 2020 zu einer Belästigung eines Verkehrsteilnehmers, bei der der Somalier ein gestörtes Verhalten mit psychischen Störungen gezeigt hatte. Daraufhin wurde er erneut in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, aber nach einem Tag entlassen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Würzburg wurde der 24-Jährige am Samstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der unter anderem Haftbefehl wegen Mordes in drei Fällen erließ. Zudem machte der Angeklagte keine Angaben zu der Sache und befindet sich nun in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt.

Für weitere Ermittlungen sollen laut Polizei weitere Zeugenaussagen und zwei Handys ausgewertet werden.

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt sagte, die fränkische Stadt, die bereits 2016 von einem Axt- und Messerangriff eines 17-Jährigen in einer Regionalbahn erschüttert worden war, sei “direkt ins Herz getroffen” worden. Er kündigte für Sonntag für 15.30 Uhr eine Trauerfeier im Würzburger Dom an, an der auch Vertreter der muslimischen Gemeinden teilnehmen sollen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bis einschließlich Montag eine bundesweite Trauerfahne angeordnet. Auch die Bundesregierung drückte am Samstag ihre Bestürzung über die Tat aus. “Die Ermittlungen werden zeigen, was den Schützen in Würzburg getrieben hat”, schrieb der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, im Kurznachrichtendienst Twitter. “Eins ist sicher: Seine schreckliche Tat richtet sich gegen die gesamte Menschheit und jede Religion.”

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich von der Tat “zutiefst erschüttert”. “Nach allem, was wir wissen, ist es dem mutigen Eingreifen mutiger Männer und Frauen in Würzburg und dem entschlossenen Vorgehen der Polizei zu verdanken, dass noch Schlimmeres verhindert wurde”, sagte er. “Dieses selbstlose Engagement verdient höchste Anerkennung.”

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