Ermittler nennen den islamistischen Hintergrund des Anschlags in Würzburg als offensichtlich Nürnberger Blatt

Polizei

Nach dem Würzburger Messerangriff mit drei Toten halten die Ermittler nun einen islamistischen Hintergrund der Tat für offensichtlich. Die Staatsanwaltschaft München begründete dies am Dienstag mit den zweimaligen „Allahu akbar“-Rufen des 24-jährigen Tatverdächtigen während der Tat und einem Hinweis auf den sogenannten Dschihad nach seiner Festnahme im Krankenhaus. Bisher haben die Ermittler keine handfesten Beweise wie etwa Propagandamaterial gefunden.

Der Tatverdächtige soll am Freitag in einem Würzburger Kaufhaus insgesamt zehn Menschen mit einem Küchenmesser erstochen haben, von denen er drei Frauen tötete. Sieben weitere Menschen erlitten, zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. In der Zwischenzeit befindet sich keiner der Verletzten in Lebensgefahr.

Die Staatsanwaltschaft München und ihre Bayerische Zentralstelle für Extremismus und Terrorismus übernahmen die Ermittlungen zum Terrorismusverdacht. Bei den Durchsuchungen wurden bei dem Verdächtigen noch keine Hinweise auf Propagandamaterial oder andere extremistische Inhalte gefunden. Seine beiden Handys müssen noch ausgewertet und mit Hilfe von Islamwissenschaftlern ausgewertet werden. Außerdem wird bei der Motivsuche mehr als hundert Hinweisen nachgegangen.

Die Ermittlungsbehörde hat ein forensisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben, um die Schuldfrage des als psychisch problematisch beschriebenen Mannes zu klären. Darüber hinaus sollte die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik oder Reha-Einrichtung geprüft werden.

Wie die Münchner Ermittler mitteilten, hatte sich die Bundesanwaltschaft Karlsruhe bereits in diesem Jahr mit dem Tatverdächtigen beschäftigt. Hintergrund war eine Zeugenaussage vom Januar, wonach der Verdächtige 2008 und 2009 in Somalia Zivilisten, Journalisten und Polizisten für die islamistische Schebab-Miliz getötet haben soll.

Mangels konkreter Tatsachen sah die Bundesanwaltschaft von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab. Zudem wäre der Somali zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt elf oder zwölf Jahre alt gewesen und hätte sich damit als Kind strafbar gemacht.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, bedrohte der Tatverdächtige am 12. und 13. Januar mehrere Personen in Würzburger Obdachlosenheimen mit einem Messer. Er beleidigte auch die Anwesenden. Der Verdächtige wurde deshalb für acht Tage in eine psychiatrische Anstalt gebracht.

Knapp zwei Wochen vor der Tat am Freitag – am 14. Juni – stieg der 24-Jährige in der Würzburger Innenstadt in das Auto eines 59-Jährigen und setzte sich auf den Beifahrersitz. Der Fahrer sprach den Somalier mehrmals an, erhielt aber keine Antwort.

Schließlich rief der 59-Jährige die Polizei, doch auch der 24-Jährige reagierte nicht auf die Polizei. Das zuständige Ordnungsamt ließ ihn daraufhin in eine psychiatrische Abteilung einweisen, die er aber einen Tag später auf eigenen Wunsch wieder verließ.

Zudem war der Tatverdächtige 2015 in einen Streit mit einem Mitbewohner in einer Asylbewerberunterkunft in Chemnitz verwickelt, bei dem er ein Küchenmesser benutzt haben soll. Aufgrund widersprüchlicher Aussagen zum Tathergang mussten jedoch keine Beweise für die Tat erbracht werden, weshalb das Verfahren Anfang 2017 eingestellt wurde.

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