Entscheidung getroffen? CDU-Bundesmehrheit für Laschet als Kanzlerkandidat ⋆ Nürnberger Blatt

CDU – Bild: CDU / Tobias Koch

CDU-Chef Armin Laschet ist der Nominierung als Kanzlerkandidat der Union viel näher gekommen. Im Bundesvorstand der CDU haben sich am Dienstagabend mehr als drei Viertel der Vorstandsmitglieder in einer geheimen digitalen Abstimmung für Laschet ausgesprochen. Dies könnte bedeuten, dass im Machtkampf innerhalb der Union eine vorläufige Entscheidung getroffen werden könnte. Denn CSU-Chef Markus Söder hatte zuvor seine Bereitschaft, sich um ein Amt zu bewerben, bestätigt, die Entscheidung jedoch in die Hände der CDU gelegt.

In der geheimen Abstimmung im CDU-Vorstand stimmten 77,5 Prozent für Laschet und 22,5 Prozent für CSU-Chef Markus Söder, wie AFP aus Parteikreisen erfuhr. Laschet erhielt 31 Stimmen und Söder neun. Sechs Vorstandsmitglieder enthielten sich der Stimme.

Der CDU-Vorsitzende hatte in der Online-Sitzung der Parteiführung eine Abstimmung über den Kanzlerkandidaten gefordert. Er lehnte Aufrufe ab, die Entscheidung auf die Bundestagsfraktion und die Bezirksvorsitzenden zu verschieben, wie AFP von den Teilnehmern erfuhr. Laschet antwortete: “Wir sollten heute entscheiden, wie wir es am Anfang machen wollen.”

In der Sondersitzung des Verwaltungsrates hatte Laschet zuvor sein Recht als Kanzler bestätigt und seine Kritiker aufgefordert, aus der Deckung zu geraten. “Ich ermutige Sie zu einer offenen Debatte”, sagte Laschet den Teilnehmern zufolge vor dem obersten Ausschuss der CDU. In dieser Debatte muss es darum gehen, wer der bessere Kandidat für den Kanzler der Union ist.

In der mehr als sechsstündigen Diskussion sprachen sich dann Anhänger und Gegner von Laschet aus. Laut AFP-Informationen erhielt Laschet auf dem Treffen Unterstützung von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und der stellvertretenden CDU-Chefin Julia Klöckner. Die Kritik am CDU-Vorsitzenden und die Unterstützung des CSU-Chefs Söder kamen vor allem von ostdeutschen Landesverbänden.

Vor der Abstimmung über den Kanzlerkandidaten stimmte das Treffen schließlich über den Vorschlag ab, zunächst eine Konferenz der Bezirksvorsitzenden einzuberufen, um sich ein Bild von der Stimmung an der Basis zu machen. Eine klare Mehrheit der Vorstandsmitglieder lehnte dies ab.

Nach Angaben der Partei wurde den Teilnehmern per E-Mail ein Online-Tool zur geheimen Abstimmung zugesandt. Es gab anfangs technische Probleme, die es erforderlich machten, die Sitzung zu unterbrechen.

Die CDU-Vorstandssitzung war im Machtkampf zwischen Laschet und Söder von entscheidender Bedeutung. Der CSU-Chef hatte die Unterstützung seiner Partei bei einer Sitzung des CSU-Präsidiums am Montagnachmittag erhalten, kündigte jedoch gleichzeitig an, dass er eine klare Abstimmung des CDU-Exekutivkomitees für Laschet akzeptieren und seine eigenen Ambitionen aufgeben werde für Kanzler.

Laut den Teilnehmern bezeichnete Laschet diese Aussage in der CDU-Vorstandssitzung als “sehr wichtiges Signal”. Damit Laschet als Kandidat für den Kanzler der Union nominiert werden kann, wäre auch die Zustimmung der CSU-Ausschüsse erforderlich.

In der Union schwelt seit mehr als einer Woche ein offener Machtkampf. Söder und Laschet sprachen mehrmals miteinander. Ein weiteres Treffen der beiden Rivalen blieb am Sonntagabend nicht schlüssig. Am Montag haben sowohl Laschet als auch Söder klargestellt, dass die Frage des Kandidaten schnell beantwortet werden muss. Wann und wie die endgültige Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union nach der klaren Abstimmung der CDU-Führung getroffen werden sollte, war zunächst unklar.

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