Ein Schwad der Verwüstung im nordhessischen Volkmarsen ⋆ Nürnberger Blatt

Gerechtigkeit – Bild: solonko_sofiya über Twenty20

Wenn in Halle 5 der Kasseler Messe ein Video des Autoangriffs auf den Rosenmontagsprozess im nordhessischen Volkmarsen gezeigt wird, atmen mehrere Zuschauer hörbar. Maurice P., der seit Montag vor dem Landgericht Kassel unter anderem wegen 91 versuchten Mordes verantwortlich ist, soll seinen Mercedes am 24. Februar 2020 absichtlich zwischen zwei Motivautos in die Menge gelenkt haben. Die Tat hinterließ eine Spur der Verwüstung, viele traumatisierte und verletzte Menschen und die Frage, warum.

P. hat in der Untersuchung keine Angaben gemacht, und die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main kann in ihrer Anklage kein Motiv nennen. Das Landgericht Kassel steht vor einem Mammutprozess. Über 400 Zeugen waren zu hören. Am ersten Tag des Prozesses sind nur rund 30 Zuschauer in der Ausstellungshalle, die Platz für rund 350 Zuschauer bietet.

Insgesamt 90 Menschen sollen schwere Körperverletzungen erlitten haben, 20 wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Eine große Anzahl anderer Menschen soll durch die Tat traumatisiert und psychisch erheblich beeinträchtigt worden sein. Generalstaatsanwalt Tobias Wipplinger nannte jedes Opfer.

Er listete auch ihre zahlreichen Verletzungen auf: Blutergüsse, Knochenbrüche, verschiedene Traumata, Blutergüsse, innere Blutungen und Gehirnerschütterungen. Die Verletzten litten immer noch unter den Folgen. Wipplinger nannte in der Anklageschrift unter anderem starke Schmerzen, Depressionen, Schlafstörungen und Panikattacken. Einer der Verletzten lag wochenlang im Koma.

Ein am Montag befragter Polizist berichtete auch über Schlafstörungen in den Tagen nach dem Angriff. “Sie sind als Polizist härter als andere, aber ich hatte mehrere Tage lang Probleme”, sagte er. Obwohl er es schnell überwinden konnte, zieht die Tat nicht “wie ein Wind” an Ihnen vorbei. Es ist ein Glück, dass niemand gestorben ist.

Der Amateurfilmer hat das Verbrechen zufällig auf Video aufgezeichnet. Es zeigt, wie ein Auto in die Menge fährt. Kurz darauf wird das Auto von Menschen bedeckt. Panikschreie sind zu hören, wenn verkleidete Menschen fliehen. Ein weiteres Video von einem Zuschauer der Rose Monday-Prozession zeigt Menschen, die tanzen und singen, bevor plötzlich panische Schreie zu hören sind.

Der dritte Film, der am Montag gezeigt wird, ist eine Dash-Cam, die die Ermittler später im Auto gefunden haben. Fünf Zuschauer und ein Mitkläger verlassen den Raum, bevor der vorsitzende Richter Volker Mütze die Videos abspielt.

In den Tagen nach dem Angriff gab es viele Spekulationen über Ps Motiv. Da es nur wenige Tage nach dem rassistischen Anschlag in Hanau mit neun Toten geschah, gab es auch einen möglichen extremistischen oder politischen Hintergrund für die Tat. Falsche Berichte über einen islamistischen Angriff als Racheakt machten im Internet schnell die Runde. Bisher wurde jedoch keine der Annahmen bestätigt.

Es gibt auch Gerüchte über P. selbst. Medienberichten zufolge lebte er isoliert. Er soll vor dem Verbrechen häufig Alkohol getrunken haben. Die Polizei hatte ihn bereits in der Vergangenheit wegen Zwang und Hausfriedensbruch bemerkt.

Drei der Opfer nehmen als Mitkläger an der Verhandlung teil. Aufgrund der großen Anzahl eingeladener Zeugen und Sachverständiger könnte dies erheblich länger dauern als geplant. Die Verteidigung erklärte, P. werde von seinem Schweigerecht Gebrauch machen. Es wird nicht erwartet, dass er im Verlauf des Prozesses sein Schweigen bricht. Die Frage, warum dies so unbeantwortet bleiben könnte.

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