Ein “großer Tag” im Kampf gegen die Pandemie ⋆ Nürnberger Blatt

Corona – Bild: 9_fingers_ via Twenty20

Die Impfung hat begonnen und die Politiker sind voller Optimismus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) twitterte von „Hoffnung und Zuversicht“, als am Sonntag in Deutschland die ersten Dosen des Corona-Impfstoffs geimpft wurden und das grüne Bundestagsmitglied Cem Özdemir von „guten Nachrichten“ sprach. Und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fand sogar einen Vergleich mit der Mondlandung zu schwach: Immerhin waren jahrelange Forschungen vorausgegangen, aber der Weg zur Koronaimpfung war einzigartig.

Wie Kretschmann bestanden zahlreiche Politiker darauf, zu Beginn der Impfung vor Ort zu sein – auch wenn es noch nicht an ihnen ist, den von Biontech und Pfizer hergestellten Impfstoff zu erhalten. Am Sonntag wurden sehr alte Bewohner von Seniorenheimen und einige Krankenschwestern geimpft. In Berlin beobachtete Gesundheitssenator Dilek Kalayci (SPD) am Morgen die ersten Impfungen. Gertrud Haase hat dort den ersten Stich bekommen.

Anfangs sei sie skeptisch, sagte die 101-Jährige. Sie dachte: “Nun, du musst nicht mit dem ersten da sein.” Aber dann wollte sie teilnehmen. Auch die anderen Länder hätten dem Impfstoff vertraut.

Mitarbeiterin Ina Voss wurde unter anderem aus sehr persönlichen Gründen im Seniorenzentrum Pichlmayr in Zolling, Bayern, geimpft. Sie hofft, dass die Impfung mehr menschliche Nähe bringen wird. In absehbarer Zeit möchte sie wieder ohne Gesichtsmaske arbeiten und in die Gesichter der Bewohner schauen können, sagte sie. Außerdem möchte sie Ende nächsten Jahres mit ihrem Vater seinen 90. Geburtstag feiern.

Bayern war aber auch der Zustand, in dem die anfängliche Freude manchmal schnell wieder gedämpft wurde. In einigen Regionen musste der Beginn der Impfung verschoben werden, da unklar war, ob die Kühlkette während des Transports eingehalten wurde. Sobald dies geklärt ist, sollte es aber auch dort beginnen.

In Sachsen-Anhalt gab es sogar einen kleinen Streit über den Beginn der Impfung. Die ersten Dosen wurden dort am Samstag in einem Pflegeheim in Halberstadt verabreicht – vor dem offiziellen Startschuss in Deutschland und der EU. Es sei tatsächlich vereinbart worden, die Impfungen am Sonntag gemeinsam zu beginnen, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministers Spahn von “Bild am Sonntag”.

Immo Kramer, der technische Leiter des betreffenden Impfzentrums im Harz, verteidigte sich jedoch. „Wir hatten den Impfstoff am Samstag und waren bereit – warum sollten wir bis Sonntag warten? Niemand versteht das “, sagte er der Montagausgabe„ Bild “.

Die ersten Menschen, die geimpft wurden, blieben ruhig. “Wie, das ist es? Ich dachte, es kommt noch etwas”, sagte die 91-jährige Lieselotte Ziegler nach der Impfung, die – von zahlreichen Journalisten beobachtet – ihre Injektion in einem Koblenzer Pflegeheim erhielt. Die 85-jährige Hanna Hertzsch aus Zwickau sagte: “Es gibt keine Angst. Es kann nur besser werden.” Aber es geht ihnen gut. “Was wollen wir mehr? Wir wollen zur Familie gehen.”

Gertrud Haase aus Berlin erklärte, dass sie den Schwanz nicht einmal bemerkt habe. Der 101-Jährige fasste zusammen: “Es ist ein großartiger Tag.”

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