Die versteckte Sucht – GlücksPost

Rosmarie F. * (77) führte 40 Jahre lang ein erfolgreiches Geschäft mit ihrem Ehemann. Als ihr Ehemann Peter * 2016 starb, geriet die lebenswichtige Großmutter in eine Krise. Ihr Arzt verschrieb das Beruhigungsmittel Temesta – ein Benzodiazepin, das Angstzustände lindert und den Schlaf fördert. Kurzfristig kann ein solches Medikament in herausfordernden Situationen hilfreich sein. Es gibt jedoch einen großen Haken: Es macht schnell süchtig, da sich der Körper an die Substanz gewöhnt und zunehmend höhere Dosen benötigt.

Das ist auch Rosmarie F. passiert. Und sie ist nicht allein! Laut einer Studie von Sucht Schweiz schlucken 11% aller Frauen über 70 fast täglich eine Schlaftablette oder ein Beruhigungsmittel, was bei längerer Einnahme süchtig macht. Die Benzosucht ist in diesem Land besonders bei Frauen ab 55 Jahren verbreitet. Es ist nicht immer einfach, es loszuwerden, da unangenehme Entzugssymptome wie Schmerzen, starke Unruhe, Stimmungsschwankungen und Angstgefühle auftreten können, wenn Sie aufhören. Trotzdem hat Rosmarie F. beschlossen, sich ihrer Benzosucht zu stellen und sich zurückzuziehen.

GlücksPost: Warum haben Sie angefangen, Temesta einzunehmen?
Rosmarie F.
.: Während der achtmonatigen Krankheit meines Mannes habe ich mich meistens zu Hause um ihn gekümmert und konnte die Nacht praktisch nicht durchschlafen, so dass ich körperlich und geistig erschöpft war. Die Temestas, die ich vom Arzt erhalten habe, haben mir dabei geholfen.

Inwiefern?
Es ermöglichte mir, ruhig zu bleiben und meine Arbeit richtig zu machen. Ich wurde auch von Angstzuständen und Panikattacken geplagt, die für niemanden von Nutzen gewesen wären.

Wann hast du gemerkt, dass du süchtig bist?
Nach dem Tod meines Mannes hatte ich viel zu tun, aber ich ging zu einem wunderbaren Psychologen, der natürlich versuchte, mich aus den Temestas herauszuholen. Leider hat das nicht funktioniert und er hat mir geraten, in eine Klinik zu gehen. Da wurde mir klar, dass ich süchtig war.

Sie werden derzeit ambulant behandelt. Warum hast du Hilfe bekommen?
Da ich definitiv nicht in eine Klinik gehen wollte, suchte ich im Internet nach Alternativen und fand «Arud» (siehe Kasten), was für mich ein Glücksfall ist.

Wie funktioniert es?
Es ist nicht einfach, aber ich bekomme die beste und sehr respektvolle Pflege, und wir versuchen, uns zu verjüngen – das heißt, die Medikamentendosis schrittweise zu reduzieren. Es ist ein langer Weg und ich möchte wirklich, dass er erfolgreich ist.

Wie fühlst du dich? Worauf bist du stolz?
Da die Behandlung nicht lange dauert, ist es ein Auf und Ab. Ich würde mich freuen, wenn ich es schaffen könnte, ich bin stolz darauf, dass ich es überhaupt gewagt habe.

* Name dem Herausgeber bekannt. Die betroffene Person möchte anonym bleiben, um ihre Familie zu schützen.

Leave a Comment