Die neuen linken Vorsitzenden wollen die Partei zu neuer Stärke führen ⋆ Nürnberger Blatt

Die Linke – Bild: Martin Heinlein / CC BY 2.0

Die Linke hat ihre erste weibliche Doppelführung: Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow führen die Partei durch das Superwahljahr 2021 und die folgenden Jahre. Sie sind einer der jüngeren Politiker, aber Sie haben viel politische Erfahrung.

SUSANNE HENNIG-WELLSOW

Nach ihrer Wahl zum linken Vorsitzenden am Samstag hatte sie kein Problem mit dem Blumenstrauß. Vor einem Jahr war das ganz anders: Damals war Hennig-Wellsow über die Grenzen Thüringens hinaus als die Frau mit dem Blumenstrauß bekannt. Empört warf sie am 5. Februar 2020 einen Container zu Füßen des FDP-Politikers Thomas Kemmerich, nachdem er mit den Stimmen der CDU und der AfD überraschend zum thüringischen Ministerpräsidenten gewählt worden war.

Mit dem damals wiedergewählten Premierminister Bodo Ramelow bildete der 43-Jährige viele Jahre lang ein mächtiges Tandem. Für Hennig-Wellsow ist es nicht einfach, auf die nationale politische Bühne zu wechseln. “Ich fühle den Schmerz des Abschieds, dieses Team zu verlassen”, sagte sie am Samstag.

Ramelow ist als erster linker Ministerpräsident die zentrale Figur in Thüringen. Vor seiner Wiederwahl war es jedoch vor allem der junge Hennig-Wellsow, der Druck auf die CDU ausübte, um Ramelows Rückkehr und die vorübergehende Fortsetzung des rot-rot-grünen Minderheitenkabinetts zu ermöglichen.

Hennig-Wellsow ging unmittelbar nach Abschluss seiner Ausbildung in die Politik. Nach ihrem Abschluss an der Erfurter Sporthochschule und dem Studium der Pädagogik wurde sie 2001 erstmals wissenschaftliche Mitarbeiterin in der damaligen PDS-Fraktion. 2004 gewann die Mutter eines Sohnes selbst ein Mandat im Landtag und war vor allem bildungspolitisch tätig.

Hennig-Wellsow war sieben Jahre lang Staatsvorsitzende in Thüringen und übernahm 2014 auch den Vorsitz der Fraktion. Jetzt strebt der in Mecklenburg-Vorpommern geborene Politiker ein Bundestagsmandat an.

Hennig-Wellsow gilt als umstrittener Politiker, der sich dem Kampf „gegen alte und neue Nazis“ verschrieben hat. Im Gegensatz zu Wissler ist sie eine klare Verfechterin der Regierungsbeteiligung. Auf dem Parteitag setzte sie sich auch nachdrücklich für Rot-Rot-Grün in der Bundesregierung ein: “Warten wir nicht länger.”

JANINE WISSLER

Der hessische Fraktionsvorsitzende gilt seit langem als großes politisches Talent der Linkspartei. Die 39-Jährige hat keine Angst vor Konflikten und vertritt ihre Positionen freundlich und eloquent – und sie sind eindeutig links. Es geht um die “Rebellion gegen die Bedingungen”, betonte sie auf dem Parteitag. “Wir wollen Reichtum umverteilen”.

Wissler ist seit 1997 in außerparlamentarische Bewegungen involviert und seit 2001 im globalisierungskritischen Attac-Netzwerk aktiv. Darüber hinaus war sie lange Zeit im trotzkistischen Netzwerk Marx21 aktiv, das sich als Teil des neuen versteht links und zielt darauf ab, “die Macht der Unternehmen zu brechen”. Erst im Zuge ihrer Kandidatur als Vorsitzender beendete Wissler diese Mitgliedschaft.

Im Wiesbadener Landtag gilt Wissler als scharfzüngiger Redner. Damit gelang es ihr, das Gesicht der Linken in Hessen zu werden. Die gebürtige Hessenerin ist seit ihrer Jugend politisch aktiv. Sie kam durch die alternative Wahlarbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in die Parteipolitik, aus der die Linkspartei durch die Fusion mit der PDS hervorging.

2008 wechselte sie erstmals in das hessische Landtag. Auch auf Bundesebene war Wissler lange Zeit kein Fremder, seit 2014 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende.

Wissler nimmt zum Thema Auslandseinsätze eine klare Position ein: Sie fordert die Bundeswehr auf, sich von allen Einsätzen zurückzuziehen – Hennig-Wellsow kann sich Bundeswehreinsätze im Ausland im Einzelfall als Blauhelme vorstellen. Wissler ist wie Hennig-Wellsow von den parteiinternen Richtungskämpfen der letzten Jahre nicht betroffen und will sich für eine neue Form der Kommunikation und Einheit in der Linken einsetzen.

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