Deutschland und Namibia vereinbaren ein Versöhnungsabkommen ⋆ Nürnberger Blatt

Symbolbild: Reichstagsgebäude Berlin

Nach mehrjährigen Verhandlungen haben Deutschland und Namibia laut einem Medienbericht eine Einigung zur Wiedergutmachung deutscher Kolonialverbrechen erzielt. Nach Angaben des Deutschlandfunks vom Wochenende erklärt Deutschland, dass es bereit ist, die Verbrechen gegen die ethnischen Gruppen Herero und Nama als Völkermord anzuerkennen. Ein gemeinsam entwickeltes Dokument wurde in Berlin von den Verhandlungsführern, dem ehemaligen CDU-Mitglied des Bundestages Ruprecht Polenz und dem namibischen Sondermediator Zed Ngavirue paraphiert.

Laut Deutschlandfunk wird das Abkommen in etwa zwei Wochen von den Außenministern beider Länder in Namibia unterzeichnet. Als Entschädigung erhielt Namibia finanzielle Unterstützung für soziale Projekte, die den Siedlungsgebieten der betroffenen ethnischen Gruppen zugute kommen sollen. Außerdem soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einer Zeremonie im namibischen Parlament kommen, um sich offiziell zu entschuldigen.

Polenz, der als offizieller Vertreter der Bundesregierung den Dialog mit Namibia führt, um sich mit den unter deutscher Kolonialherrschaft begangenen Verbrechen auseinanderzusetzen, und das Auswärtige Amt wollten den Medienbericht am Sonntag nicht unter Berufung auf “Vertraulichkeit” kommentieren. “Die Gespräche mit Namibia finden in einer konstruktiven und vertrauensvollen Atmosphäre statt”, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Namibia – damals deutsches Südwestafrika – war von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden Zehntausende Angehörige der ethnischen Gruppen Herero und Nama unter deutscher Kolonialherrschaft von deutschen Truppen getötet. Historiker bewerten das Massaker als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Berlin und Windhoek verhandeln seit 2015 über eine Entschädigung für Kolonialverbrechen. Bisher gab es keine offizielle Entschuldigung oder Entschädigung aus Deutschland.

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