Deutscher IS-Anhänger wegen Versklavung von Jesiden verurteilt ⋆ Nürnberger Blatt

Justitia – ein Symbol für Rechtsstaatlichkeit

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat einen deutschen Unterstützer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu sechseinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt, weil er Jesiden in Syrien versklavt hat. Das Gericht sprach am Mittwoch die 23-jährige Sarah O. der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig. Auch die Eltern des IS-Kämpfers, den O. in Syrien geheiratet hatte, müssen in Haft sein.

Nach Angaben des Gerichts verließ der Angeklagte im Alter von 15 Jahren Deutschland nach Syrien, „um sich am Kampf gegen das syrische Regime und am Aufbau eines islamischen Staates nach den Regeln der Scharia zu beteiligen“. Sie trat dem IS bei und heiratete den deutschen IS-Kämpfer Ismail S.

Insgesamt fünf Frauen und zwei Mädchen der jesidischen Religionsgemeinschaft, die vom IS verfolgt wurden, hielten die Deutsch-Algerierin und ihr Mann nach Urteil des Gerichts insgesamt als Sklaven. Eines der Mädchen wurde bei einer von O. genehmigten Überlandfahrt über eine am Vortag beschossene Straße getötet.

Drei der fünf jesidischen Frauen traten als Nebenklägerinnen im Prozess in Deutschland auf. Zwei von ihnen sagten laut Gericht, sie seien von Ismail S. vergewaltigt worden ‘Ehemann’ in seinen Handlungen.”

Auf der Flucht aus dem IS-Gebiet wurde O. im Februar 2018 von türkischen Sicherheitskräften festgenommen und später nach Deutschland abgeschoben, wo sie bei ihrer Einreise im September 2018 festgenommen wurde. Seitdem befindet sie sich in Untersuchungshaft. Der Prozess begann im Oktober 2019 unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In dem Verfahren wurden auch die Eltern des IS-Kämpfers Ismail S. angeklagt. Das Düsseldorfer Gericht verurteilte Perihan S. zu viereinhalb Jahren und Ahmed S. zu drei Jahren Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland.

Der Sohn des Kölner Ehepaares soll zusammen mit seinem Bruder seit Oktober 2013 Waffenzubehör und Ausrüstung an den IS und seine Verbündeten verkaufen. Dazu haben die Brüder nach Angaben der Bundesanwaltschaft ein internationales Logistiknetzwerk aufgebaut .

Nach Angaben des Oberlandesgerichts waren die Eltern an der Beschaffung von Waffenzubehör und -ausrüstung beteiligt und transportierten auch selbst Gegenstände nach Syrien. “Außerdem ermutigten die Angeklagten ihre Söhne, ab Mitte 2014 durch Geldzahlungen für den ‘IS’ zu arbeiten”, so das Gericht weiter.

Die Angeklagten können gegen das Urteil Berufung zum Bundesgerichtshof einlegen. Sarah O. und Perihan S. bleiben zumindest bis zum rechtskräftigen Urteil in Untersuchungshaft. Ahmet S. bleibt zunächst auf freiem Fuß.

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