Deutsche Umwelthilfe kritisiert Online-Handel wegen katastrophaler Sammlung

(Symbolfoto: Pixabay)

Seit dem 24. Juli 2016 ist der Handel verpflichtet, Elektroschrott für fünf Jahre zurückzunehmen, damit dieser umweltschonend wiederverwendet oder recycelt werden kann. Allerdings stellt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine katastrophale Kollektivbilanz für den Handel. Er trägt die Hauptverantwortung dafür, dass in Deutschland 2019 nur eine Sammelquote von 44 Prozent erreicht wurde, obwohl laut Elektrotechnikgesetz eine Quote von 65 Prozent vorgeschrieben ist.

Trotz flächendeckender Rücknahmepflicht sammelten Händler im Jahr 2020 nur rund 200.000 Tonnen Elektro-Altgeräte ein

Im Jahr 2020 sammelten Händler nur rund 200.000 Tonnen Altgeräte, obwohl mehr als 2,8 Millionen Tonnen Neugeräte verkauft wurden.

„Der Handel muss seit fünf Jahren Elektroschrott sammeln und vor allem viele Online-Händler erschweren den Verbrauchern noch immer die Rückgabe von Elektroaltgeräten. Elektronikschrott enthält Schadstoffe wie Schwermetalle, Flammschutzmittel und Weichmacher, die sachgerecht behandelt werden müssen. Um Alibi-Rücknahmeangeboten entgegenzuwirken, ist es zwingend erforderlich, dass Händler ihre Sammelquote veröffentlichen. Soll die von der EU vorgegebene Sammelquote von 65 Prozent eingehalten werden, muss die künftige Bundesregierung das kürzlich novellierte Elektrogesetz erneut überarbeiten. Die Eckpunkte müssen dann verbindliche Sammelziele für die Hersteller sowie Transparenz über die Sammelleistungen der Händler sein.“, sagt Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH.

Beim Sammeln von Elektroaltgeräten fallen Online-Händler besonders negativ auf. Obwohl der Online-Handel in Deutschland seinen Umsatz mit Elektrogeräten während der Corona-Krise 2020 auf 17,8 Milliarden Euro steigern konnte, fehlt vielen Online-Händlern noch eine verbraucherfreundliche Sammlung von Elektroschrott. Eine aktuelle Umfrage der DUH bei 100 großen Online-Händlern zeigt, wie wenig Verantwortung sie beim Sammeln von Elektrogeräten übernehmen. Verbraucher werden daher beim Online-Shopping oft nur unzureichend über ihr gesetzliches Rückgaberecht informiert. Zudem bieten Händler meist komplizierte Rückgabemöglichkeiten per Paket an, um möglichst wenig Elektroschrott zurücknehmen zu müssen.

Bei den Informations- und Rückgabepraktiken schnitten insbesondere die Online-Sparten von Apple, Hornbach und Ikea negativ ab. Die Rücksendeinformationen sind nicht nur auf der Apple-Website versteckt, sondern über eine Hotline kann nur ermittelt werden, ob Elektrokleingeräte zurückgegeben werden können. Auch bei Hornbach und Ikea werden Informationen zur Rückgabe versteckt und für Elektroaltgeräte ein unpraktisches Rückgabepaket angeboten. Der Hinweis auf die Rückgabe in den stationären Shops der genannten Firmen geht nicht weit, denn damit besteht keineswegs eine Flächendeckung für die Abholung. Rund die Hälfte der befragten Online-Händler verweigert jegliche Auskunft und setzt bei diesem wichtigen Umwelt- und Verbraucherthema auf größtmögliche Intransparenz.

„Der hauptsächlich online angebotene Paketversand zur Sammlung von Elektroschrott wird selten genutzt, weil er unpraktisch und kompliziert ist. Damit Online-Händler auch wirklich einen Beitrag zur Sammlung ausgedienter Elektrogeräte leisten, sollten sie sich an bundesweiten stationären Rücknahmesystemen beteiligen und deren weiteren Ausbau unterstützen. Ein solches Sammelsystem muss mindestens 1.600 Sammelstellen in ganz Deutschland umfassen, wie vom HDE-Berufsverband bestätigt. Die Entfernung einer Sammelstelle zum jeweiligen Endverbraucher sollte zehn Kilometer nicht überschreiten., fordert der stellvertretende Leiter der Kreislaufwirtschaft der DUH Philipp Sommer. Der Versand sollte nur als ergänzende Rücksendemöglichkeit angeboten werden, wobei alte Lampen, lose oder beschädigte Batterien aus Sicherheitsgründen vom Versand auszuschließen sind.

Eine weitere Vorgabe der DUH zur Verbesserung der Elektroschrottsammlung im Handel ist eine Ausweitung der Rücknahmepflicht im Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Demnach sollen alle Händler beim Kauf eines neuen Elektrogeräts ein entsprechendes Altgerät zurücknehmen müssen. Auch Händler mit einer Gesamtverkaufsfläche von mehr als 100 Quadratmetern sollen unabhängig vom Kauf eines Neugerätes zur Rücknahme von Elektroschrott verpflichtet werden.

Hintergrund:

Insgesamt fallen in Deutschland jährlich rund 2,6 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Seit dem 24. Juli 2016 können Verbraucher alte Elektrokleingeräte bis 25 cm bei Händlern, die Elektrogeräte auf einer Fläche von mindestens 400 Quadratmetern verkaufen, kostenlos zurückgeben – die Versand- und Lagerfläche gilt für Online-Händler . Altgeräte, die größer als 25 cm sind, können beim Kauf eines ähnlichen Neugerätes kostenlos zurückgegeben werden. Mit einem Anteil von 10 Prozent leisteten die Händler 2019 nur einen geringen Beitrag zur Sammlung von Elektroschrott. Mit einer Sammlung von 947.100 Tonnen Elektro- und Elektronikaltgeräten erreichte Deutschland 2019 eine Sammelquote von rund 44 Prozent.

Um eine korrekte und verbraucherfreundliche Rücknahme von Altgeräten zu gewährleisten, führt die DUH seit Jahren umfangreiche Rücknahmetests im Handel durch. Die Umsetzung gesetzlicher Auskunfts- und Rücknahmepflichten gegen Handelsunternehmen wie Saturn, Ikea, Netto oder Cyberport konnte die DUH durch erfolgreiche Klagen sicherstellen. Zudem konnte in einem ersten Schritt sichergestellt werden, dass das neue Elektrogesetz auch Supermärkte zur Rücknahme von Altgeräten verpflichtet.

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