Der Versuch, die erste US-Gewerkschaftsvertretung bei Amazon zu bilden, schlug fehl ⋆ Nürnberger Blatt

Amazon Driver – Bild: TonyTheTigersSon über Twenty20

Der Versuch, die erste Gewerkschaftsvertretung beim Online-Versandhändler Amazon in den USA zu bilden, ist gescheitert. Eine große Mehrheit der Arbeitnehmer stimmte gegen die Arbeitnehmervertretung, wie die Stimmenzahl bei der zuständigen Aufsichtsbehörde am Freitag zeigte. Die Abstimmung in einem Amazon-Logistikzentrum in Bessemer, Alabama, hatte eine große symbolische Bedeutung: Amazon ist strikt gegen die Einrichtung von Arbeitnehmervertretern.

Die Kampagne zur Mobilisierung der Abstimmung war auf beiden Seiten energisch und erregte internationale Aufmerksamkeit. Von den 5.876 Mitarbeitern des Logistikzentrums gaben 3041 nach Angaben der NLRB-Arbeitsschutzbehörde letztendlich ihre Stimme ab. Bei der Live-Übertragung der Stimmenzählung wurden 1798 keine Stimmen und nur 738 Ja-Stimmen gezählt. Der Rest der Stimmzettel war leer oder ungültig.

Die Einzelhandelsgewerkschaft RWDSU kündigte an, das Abstimmungsergebnis in Frage zu stellen. Amazon hat Verwirrung gestiftet, Mitarbeiter unter Druck gesetzt und die Angst vor Repressalien geschürt und damit die „Wahlfreiheit“ der Mitarbeiter eingeschränkt.

Amazon bestritt die Vorwürfe, Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt zu haben. “Amazon hat nicht gewonnen – unsere Mitarbeiter haben sich entschieden, gegen den Beitritt zu einer Gewerkschaft zu stimmen”, sagte das Unternehmen.

Die Initiative der Gewerkschaft RWDSU hatte eine landesweite Debatte über die Arbeitsbedingungen des Versandhandels mit seinen 800.000 Mitarbeitern in den USA ausgelöst. Gewerkschaften und Politiker haben sich lange darüber beschwert, dass Mitarbeiter bei Amazon einem hohen Arbeitsdruck und ständiger Kontrolle ausgesetzt sind.

Amazon selbst hat entschieden gegen die Pläne vorgegangen. Im Logistikzentrum in Bessemer sprach sich das Management auf Konferenzen und sogar auf Flyern in den Toiletten gegen Gewerkschaften aus. Sie hat auch eine Website eingerichtet, auf der sie argumentiert, warum eine Gewerkschaft nicht notwendig ist. Der Internetgigant argumentiert, dass er überdurchschnittliche Löhne und Zuschüsse zahlt.

Die Gruppe profitiert derzeit massiv von geschlossenen Läden infolge der weltweiten Corona-Sperren, da sich das Geschäft auf das Internet verlagert hat. Der Umsatz von Amazon stieg im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf rund 386 Milliarden US-Dollar, und der Gewinn verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr auf über 21 Milliarden US-Dollar.

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