Der Thrillerautor John Le Carré ist verstorben ⋆ Nürnberger Blatt

John le Carré – Bild: Deutsche Botschaft London, CC BY 2.0über Wikimedia Commons

Der Meister des Spionagethrillers ist tot: Der britische Schriftsteller John Le Carré, der früher als Geheimagent arbeitete, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er starb am Samstagabend in der englischen Grafschaft Cornwall als seine Familie an einer Lungenentzündung am nächsten Tag angekündigt. Sein Tod sei nicht auf das Koronavirus zurückzuführen, sagte Le Carrés Agent Jonny Geller.

Le Carré schrieb in seiner sechs Jahrzehnte dauernden Karriere als Schriftsteller 25 Romane und ein autobiografisches Buch. Weltweit wurden rund 60 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft. Er hat das Genre des Spionageromanes maßgeblich geprägt.

Der Autor, mit bürgerlichem Namen David Cornwell, wurde mit seinem dritten Roman “Der Spion, der aus der Kälte kam” von 1963 weltweit bekannt. Allein dieses Buch wurde weltweit rund 20 Millionen Mal verkauft. Es wurde auch zu einem Film mit Richard Burton in der Hauptrolle gemacht. Weitere große Erfolge von Le Carré waren: “Dame, König, As, Spion” (1974) und “Ein Blender Spion” (1986).

Geller würdigte den Verstorbenen als “große Figur der britischen Literatur”. Der Agent lobte Le Carrés auch als menschliches Wesen und hob seine “Freundlichkeit”, seinen Humor und seine “Intelligenz” hervor. Der US-amerikanische Schriftstellerkollege Stephen King lobte Le Carré in einer Nachricht im Internetdienst Twitter als “literarischen Riesen” und “humanitären” Geist”.

Le Carré schrieb seinen Bestseller “Der Spion, der aus der Kälte kam”, als er in der britischen Botschaft in Bonn arbeitete. Sein diplomatischer Job war lediglich eine Deckung für seine Spionagearbeit für den britischen Geheimdienst MI6, wie er erst viele Jahre später zugab. In „Der Spion, der aus der Kälte kam“ erzählt Le Carré die Geschichte eines britischen Doppelagenten, der ein Spionagenetzwerk in der DDR betreibt.

Le Carrés eigene Karriere als Spion wurde 1964 von dem echten Doppelagenten Kim Philby zerstört, der viele seiner Kollegen entlarvt hatte. Le Carré musste dann vom MI6 zurücktreten. Der selbstironische Autor sagte jedoch später, dass er sowieso ein schlechter Spion sei.

Ein Großteil von Le Carrés Romanen befasst sich mit der Ära des Kalten Krieges. Nach dem Ende dieser Ära beschäftigte er sich jedoch auch mit anderen Themen, darunter dem Waffen- und Drogenhandel. In dem ebenfalls gefilmten Roman “The Eternal Gardener” aus dem Jahr 2001 beschäftigte er sich mit den Praktiken von Pharmaunternehmen in Afrika.

Le Carré war ein sehr politisch denkender Autor, der sich auch zur Aktualität äußerte. Er lehnte den Brexit vehement ab und kritisierte wiederholt den britischen Premierminister Boris Johnson. Le Carré hinterlässt eine Frau, vier Söhne und 13 Enkelkinder.

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