Der namibische Sonderbeauftragte Polenz weist Kritik am Versöhnungsabkommen zurück ⋆ Nürnberger Blatt

Ruprecht Polenz – Bild: Lichtblick / Achim Melde

Der namibische Sonderkommissar der Bundesregierung, Ruprecht Polenz (CDU), hat die Kritik an dem geplanten Versöhnungsabkommen zur Auseinandersetzung mit der blutigen deutschen Kolonialgeschichte zurückgewiesen. Am Samstag widersprach Polenz der Behauptung des Senders Bayern 2 in Namibia, die von den deutschen Gräueltaten betroffenen ethnischen Gruppen seien nicht ausreichend in die Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen einbezogen worden. “Bei jeder Verhandlungsrunde saßen Vertreter von Herero und Nama am Tisch”, sagte Polenz.

Die Kritik kommt hauptsächlich von denen, “die gerne am Tisch gesessen hätten, aber wo die namibische Regierung anders entschieden und andere Herero und Nama an den Tisch gesetzt hat”, sagte Polenz. “So etwas passiert.” Die Anzahl der verschiedenen Gruppen innerhalb der ethnischen Gruppen ist sehr groß.

“Natürlich haben wir kein Recht auf Versöhnung”, sagte der Sonderbeauftragte. “Aber ich denke, dass das Abkommen auch eine gute Grundlage für die Einleitung sozialer Versöhnungsprozesse ist.”

Polenz bezog sich auf den noch teilweise unveröffentlichten Verhandlungstext: „Ich denke, wenn Sie den Text lesen, der die Verbrechen dieser Zeit beschreibt, nennen Sie sie beim Namen, die Konzentrationslager, die Zwangsarbeit, die Demütigung und natürlich den Völkermord Sie sehen, dass wir als Bundesrepublik Deutschland es ernst meinen, uns für diese Verbrechen zu entschuldigen. “”

Am Freitag wurde bekannt, dass Deutschland die Verbrechen deutscher Kolonialtruppen gegen die ethnischen Gruppen Herero und Nama im heutigen Namibia zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell als Völkermord anerkennen und sich bei den Nachkommen der Opfer entschuldigen würde. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kündigte 1,1 Milliarden Euro für ein Wiederaufbauprogramm an.

Namibia – damals deutsches Südwestafrika – war von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden Zehntausende von Herero- und Nama-Mitgliedern unter deutscher Kolonialherrschaft von Truppen des Deutschen Reiches getötet. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

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