Der gefährlichste Einsatz der Bundeswehr ⋆ Nürnberger Blatt

bewaffnete Kräfte

Die Teilnahme an der UN-geführten Stabilisierungsmission in Mali (Minusma) gilt als der gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Seit rund acht Jahren sind deutsche Soldaten im westafrikanischen Krisenstaat stationiert. Im Rahmen der UN-Mission Minusma übernimmt die Bundeswehr unter anderem Aufklärungsaufgaben. Im Rahmen der EU-Ausbildungsmission EUTM bildet sie in Mali lokale Soldaten mit bis zu 600 Personen aus.

Erst im Mai verlängerte der Bundestag beide Mandate. Damit können bis zu 1.100 Bundeswehrsoldaten weiterhin an Minusma teilnehmen. Der Großteil des deutschen Kontingents ist im Nordosten des Landes im Camp Castor in Gao stationiert. Rund 180 Kilometer nordöstlich von Gao sind bei einem Selbstmordanschlag am Freitag offenbar 15 Soldaten verletzt worden, neun davon schwer.

Außerdem stellt Deutschland Personal für das Hauptquartier der Minusma-Mission in Bamako und für eine Logistikeinheit am Flughafen der malischen Hauptstadt. Auch im benachbarten Niger sind deutsche Blauhelmsoldaten stationiert. In der Hauptstadt Niamey betreibt die Bundeswehr einen Lufttransportstützpunkt zum Transport von Material und Personal sowie zur Versorgung von Verwundeten.

An der Blauhelmmission Minusma beteiligen sich Dutzende Länder mit insgesamt rund 13.000 Soldaten – davon aktuell rund 900 aus Deutschland – und 1.700 Polizisten. Grundlage der Operation ist die im April 2013 verabschiedete UN-Resolution 2100. Zuvor griffen französische Streitkräfte in den Kampf gegen radikale Islamisten und Rebellen im Norden Malis ein, nachdem das Land im Zuge eines Putsches im März 2012 ins Chaos gestürzt war.

Im Juni 2013 beschloss der Bundestag, bewaffnete deutsche Soldaten in Minusma einzubeziehen. Anfang 2016 wurde beschlossen, das deutsche Engagement auszuweiten. Kernaufgabe der UN-Mission ist die Überwachung eines Waffenstillstands zwischen den malischen Konfliktparteien. Die Mission soll auch zur Sicherheit, Stabilisierung und zum Schutz der Bevölkerung beitragen.

Die Hauptaufgaben der deutschen Blauhelmsoldaten in Mali sind Aufklärung, Beobachtung und Beteiligung am Gesamtbild der Lage. Darüber hinaus gehören Führungs- und Beratungstätigkeiten sowie der Lufttransport und die Betankung zu den Aufgaben der Truppe.

Die politische Lage in Mali ist seit 2012 von zunehmender Instabilität geprägt. Der Großteil der islamistisch motivierten Gewalt hat in den letzten Jahren auch die Nachbarländer in der Sahelzone erreicht. Tausende Soldaten und Zivilisten kamen in der Krisenregion ums Leben, Hunderttausende mussten aus ihrer Heimat fliehen. Die Lage im Land wird von Beobachtern als “besorgniserregend” empfunden.

Auch Dschihadisten und regionale Milizen griffen in letzter Zeit vermehrt internationale Truppen an. Sie nutzen die fehlende staatliche Präsenz aus. Es wird befürchtet, dass sie sich in rechtswidrigen Gebieten weiter ausbreiten werden – insbesondere nachdem der Staat im Mai zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gestürzt wurde.

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