Der Einzelhandel fordert die Eröffnung der Geschäfte ab nächster Woche ⋆ Nürnberger Blatt

Einkaufen unter Corona-Bedingungen

Vor den Konsultationen der Bundesländer drängt der Einzelhandel auf die Eröffnung von Filialen bereits nächste Woche. Unter anderem forderte der Spielzeug- und Technologiehandel am Montag eine sofortige Eröffnung. Einzelhandelsunternehmen präsentierten ein Sieben-Punkte-Konzept, das unter anderem einheitliche Zugangsbeschränkungen für die Geschäfte vorsieht. In Baden-Württemberg können Geschäfte ab dem 8. März mit einem „Click & Meet“ -Konzept mit vorgebuchten Terminen eröffnet werden.

Bund und Länder werden am Mittwoch über das weitere Vorgehen bei der Koronapandemie diskutieren. Der Einzelhandel ist seit Mitte Dezember weitgehend geschlossen. Friseure konnten am Montag unter strengen Hygienevorschriften wieder öffnen, in einigen Bundesländern auch Baumärkte und Gartencenter.

Die Spielwarenindustrie warnte vor dem „Schaden für die Gesellschaft als Ganzes“ durch die Sperrung. Für immer mehr Unternehmen ist die Situation “bedrohlich für die Existenz”, hieß es in einem offenen Brief mehrerer Spielwarenhändler und Branchenverbände an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten. Die stationären Spielwarenhändler haben bereits Verluste von über 300 Millionen Euro angehäuft.

In dem Brief heißt es weiter, dass im Einzelhandel „kein erhöhtes Infektionsrisiko“ bestehe. Die Schließung von Unternehmen ist daher unverhältnismäßig und sicheres Einkaufen ist bereits vor Erreichen des Inzidenzwerts von 50 möglich – sofern Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

In einem fast identischen Brief befürworteten Technologiehändler, darunter die Elektronikgeschäfte Mediamarkt und Saturn und ihre Verbände, Eröffnungen.

Die Schließung der Läden bedroht nun auch “den industriellen Kern der deutschen Möbelindustrie”, erklärten die Möbelverbände VDM und VHK. Die Politik ist daher verpflichtet, am Mittwoch „endlich ihr wiederholt angekündigtes Eröffnungskonzept vorzulegen“.

Aus Sicht der Verbände kann der Möbelhandel „eine sichere Öffnung garantieren“. Die Branche schlägt vorab gebuchte Beratungstermine und in einem zweiten Schritt eine Eröffnung mit einem Kunden pro 50 Quadratmeter Verkaufsfläche vor.

Das Konzept von Einzelhandelsunternehmen wie dem Shopping-Center-Betreiber ECE und dem Textil-Discounter Kik sieht nicht nur Zugangsbeschränkungen, sondern auch Entfernungsregeln, umfangreiche Hygienemaßnahmen und strenge Kontrollen vor, wie das Handelsblatt berichtet. Die Kontaktverfolgung mit einer App wird ebenfalls diskutiert.

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) kündigte ein „Click & Meet“ -Konzept für ihr Land an. Kunden sollten ab nächstem Montag wieder in Geschäften stöbern und einkaufen können, wenn sie einen Termin im Voraus reservieren. Das Konzept biete “zunächst eine echte Perspektive für kleinere Unternehmen”, sagte der Minister.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die anderen Wirtschaftsminister der Bundesländer wollen Berichten zufolge bereits im März umfangreiche Eröffnungsschritte – zumindest im Außenbereich. In einem auf Altmaiers Geschäft abgestimmten Eröffnungskonzept, aus dem das Handelsblatt und das Redaktionsnetzwerk Deutschland am Montag zitierten, fordern sie eine „klare und vorhersehbare Perspektive“.

In dem Konzept entfernen sich Altmaier und die Staatsminister auch vom Inzidenzwert als einzigem Maßstab für die Lockerung. “Das Erreichen einer allgemeinen landesweiten oder regionalen Inzidenz von 35 oder weniger wird derzeit angesichts der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen nicht als notwendig angesehen”, zitierten die Medien. Ab einer Inzidenz von 50 ist eine Lockerung zulässig, wenn dies im Einzelfall im Zusammenhang mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen gerechtfertigt ist.

Die Inzidenz gibt an, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen registriert wurden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt der landesweite Inzidenzwert derzeit bei 65,8.

Altmaier hatte bereits am Freitag ein Eröffnungskonzept angekündigt, das mehr Kriterien als nur die Inzidenz berücksichtigen sollte – wie die Arbeitsfähigkeit der Gesundheitsbehörden oder die Kapazitätsauslastung der Intensivbetten. Eine Sprecherin seines Ministeriums sagte am Montag in Berlin, dass auch Schnelltests eine wichtige Rolle spielten.

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