Das türkische Staatsoberhaupt Erdogan spricht sich für eine “langfristige Vision” aus ⋆ Nürnberger Blatt

Recep Tayyip Erdogan – Bild: kremlin.ru /. CC BY

Das türkische Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan bemüht sich um eine Verbesserung der Beziehungen zur Europäischen Union, die sich aufgrund des Gasstreites im östlichen Mittelmeerraum in einer Krise befinden. “Wir sind bereit, unsere Beziehungen wieder in Gang zu bringen”, sagte Erdogan am Dienstag vor EU-Diplomaten in Ankara. “Wir hoffen, dass unsere europäischen Freunde den gleichen Willen zeigen.” Erdogan forderte eine “langfristige Vision, weit entfernt von Vorurteilen und Angst”.

Die Beziehungen der EU zur Türkei befanden sich seit einiger Zeit in einer schweren Krise. Grund dafür ist neben der Kritik der EU an der Menschenrechtssituation in der Türkei und den militärischen Maßnahmen der Türkei in Syrien, Libyen und Berg-Karabach der Streit zwischen der Türkei und Griechenland um die Gasreserven im östlichen Mittelmeerraum. Die beiden Staaten kündigten am Montag an, die Gespräche am 25. Januar wieder aufzunehmen, um den Streit beizulegen.

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeerraum wurde heftig über deren Ausbeutung diskutiert. Die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern sowie die Türkei haben Anspruch auf die betroffenen Seegebiete erhoben. Athen und Ankara haben ihre Forderungen ebenfalls durch die Entsendung von Kriegsschiffen im vergangenen August untermauert. Kurz darauf erweiterte die Türkei ihre umstrittene Mission zur Ermittlung von Gasdaten in der Region.

Auf ihrem Gipfel Ende Dezember hat die EU Sanktionen gegen die Verantwortlichen und die beteiligten Unternehmen beschlossen. Zu dieser Zeit drohten die Staats- und Regierungschefs Ankara mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen. Wenn sie jedoch nachgaben, hatten sie die Aussicht auf eine Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen. Erdogan moderierte dann seinen Ton in Bezug auf Brüssel und drückte den Wunsch nach besseren Beziehungen aus.

Ankara und Brüssel starten diesen Monat eine seltene Runde der Shuttle-Diplomatie, die zu einer erneuten Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten führen könnte. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wird am 21. Januar nach Brüssel reisen. Im Gegenzug werden EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel gegen Ende des Monats in der Türkei erwartet.

Erdogan wies am Dienstag auch darauf hin, dass die seit Jahren unterbrochenen EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nach dem Austritt Großbritanniens aus der Union neue Impulse erhalten könnten. “Die durch den Brexit verursachte Unsicherheit könnte überwunden werden, wenn die Türkei ihren verdienten Platz in der EU-Familie einnimmt”, sagte Erdogan.

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