Chemie-Nobelpreisträger Prof. Benjamin List aus Mülheim zeigte sich „völlig überrascht“ von der Entscheidung

Prof. Benjamin List (Archivfoto: Screenshot / Youtube)

Essen – Der neue Nobelpreisträger für Chemie, Prof. Benjamin List, zeigte sich „völlig überrascht“ von der Entscheidung des Stockholmer Nobelpreiskomitees. Das sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Der Anruf des Nobelpreiskomitees erreichte ihn am Mittwochmorgen beim Frühstück in einem Amsterdamer Café. Er und seine Frau hielten es zunächst für einen Scherz, sagte List. „Davon habe ich mir nie träumen lassen, schon gar nicht in meinem Alter“, spielte der 53-Jährige auf das meist fortgeschrittene Alter vieler Nobelpreisträger an. Am Telefon erkannte er jedoch die Stimme des Ausschussvorsitzenden. “Dann wusste ich, dass es ernst war”, sagte er.

Wie der Mülheimer der WAZ mitteilte, hatten die Vertreter der Schwedischen Akademie der Wissenschaften zuvor erfolglos versucht, mit Lists Forschungskollegen David MacMillan in den USA Kontakt aufzunehmen und die Deutschen um Hilfe bei der Kontaktaufnahme gebeten. „Dann rief ich Dave an und sagte: Dave, wach auf, wir haben den Nobelpreis gewonnen. Aber er wollte mir nicht glauben. “

Benjamin List ist seit 2005 Direktor der renommierten Mülheimer Forschungseinrichtung. Für die Entdeckung sogenannter organischer Katalysatoren erhielten der gebürtige Frankfurter und sein US-Kollege MacMillan zu gleichen Teilen den Nobelpreis für Chemie. Katalysatoren können chemische Reaktionen steuern und beschleunigen. Sie sind wichtig für die Entwicklung neuer Produkte in vielen Lebensbereichen, insbesondere in der Arzneimittelforschung. „Mit Hilfe unserer Forschung wurde zum Beispiel ein neues antivirales Medikament zur HIV-Behandlung entwickelt, das Patienten hilft. Ich bin stolz und dankbar, dass ich dazu beitragen konnte“, sagte List der WAZ.

NRW-Innovationsminister Pinkwart freut sich über Chemie-Nobelpreisträger aus dem Ruhrgebiet

NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart (FDP) gratulierte am Mittwoch dem neuen Chemie-Nobelpreisträger Prof. Benjamin List. „Das ist eine tolle Auszeichnung für exzellente Forschung und Innovationen, die Chemikalien und Pharmazeutika umweltfreundlicher und effektiver machen können“, sagte Pinkwart von der WAZ. Die von Benjamin List entwickelte Organokatalyse trägt dazu bei, Moleküle schneller herzustellen, die zum Einfangen von Licht in Solarzellen benötigt werden. „Die herausragende Arbeit von List am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr hat beispielhafte Auswirkungen auf den Forschungs- und Innovationsstandort Nordrhein-Westfalen“, so Pinkwart.

NRW-Wissenschaftsminister Pfeiffer-Poensgen: Nobelpreis stärkt Forschung im Ruhrgebiet

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) hat Prof. Benjamin List zum Nobelpreis für Chemie gratuliert. „Der Preis ist eine große Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Arbeit: Benjamin List ist ein Pionier in einem neuen Forschungsfeld der Chemie und trägt damit zur Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen bei“, sagte Pfeiffer-Poensgen von der WAZ. Lists Entdeckung, dass kleine organische Moleküle ausgezeichnete Katalysatoren sein können, eröffnet enorme Möglichkeiten für die Wirkstoffforschung und eine umweltfreundlichere Chemie. „Die Arbeit von Prof. List und seinem Team am Max-Planck-Institut (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim kommt somit nicht nur der Wissenschaft selbst, sondern auch den Menschen weltweit zugute“, sagte die Ministerin. „Dass der Nobelpreis für Chemie an einen Wissenschaftler geht, der seit mehr als 15 Jahren am MPI in Mülheim tätig ist, unterstreicht die exzellente Forschung, die dort betrieben wird, und stärkt gleichzeitig die Wissenschaftsregion Ruhr.“

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