Betroffenen muss der volle Ticketpreis erstattet werden

(Symbolfoto: pixabay)

Massenbeschwerden von Verbrauchern ab März 2020 zur Erstattungspraxis von Eventim

Mit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 gingen bei der Verbraucherzentrale NRW massive Beschwerden über die CTS Eventim AG & Co. KGaA ein. Verbraucher beschwerten sich darüber, dass Eventim sich weigerte, Tickets für wegen Corona verschobene Veranstaltungen zu erstatten. Darüber hinaus hat Eventim in unverständlicher Weise Gebühren für ersatzlos abgesagte Veranstaltungen einbehalten und nicht den vollen Kaufpreis erstattet. Dagegen verklagte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Landgericht München I und erzielte einen Teilerfolg.

Eventim muss im Falle einer Provisionstransaktion den vollen Ticketpreis erstatten

In den vorliegenden Fällen wurde Eventim von den Veranstaltern mit der Erstattung beauftragt. Das Gericht bestätigt die Auffassung der Verbraucherzentrale NRW, dass Eventim die Rückzahlung des vollen Kaufpreises für abgesagte Veranstaltungen unter Hinweis auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht verweigern durfte. Jedenfalls ist in den Fällen, in denen Eventim im eigenen Namen für fremde Rechnung handelt (Kommissionsgeschäft), dem Ticketkäufer der gesamte Ticketpreis einschließlich der Vorverkaufsgebühren zu erstatten.

Die verwendeten Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die eine Erstattung der Vorverkaufsgebühr bei Stornierung oder Verschiebung ausschließen, benachteiligen Verbraucher: daher unangemessen – zumindest im Kommissionsgeschäft. Zudem ist die Klausel nicht transparent, da die Höhe der Vorverkaufsgebühr beim Ticketkauf oft nicht angegeben wurde.

„Wir gehen davon aus, dass Eventim in einer Vielzahl von Fällen zu Unrecht Geldbeträge einbehalten hat, anstatt den Verbrauchern den gesamten Ticketpreis zurückzuzahlen“, sagte Wolfgang Schuldzinski, Vorstandsmitglied der Verbraucherzentrale NRW. „Sollte Eventim mit der Rückzahlung von Veranstaltungsabsagen beauftragt worden sein, können Betroffene Eventim nun mit Verweis auf das Urteil zur Zahlung der ausstehenden Beträge auffordern. Das ist ein großer Erfolg.“

Das Landgericht München betrachtet jedoch den Hinweis, dass Tickets für Nachholtermine gültig bleiben und daher nicht zurückgegeben werden können, als zulässiges Rechtsgutachten und folgt nicht der Auffassung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Wir werden die Urteilsgründe diesbezüglich prüfen und voraussichtlich Berufung einlegen“, kündigte Schuldzinski an. „Befristete Events sind unserer Meinung nach relativ fixe Deals, die mit dem Termin stehen oder fallen, sodass kein Raum für eine Vertragsanpassung bleibt.“

Folgen des Urteils

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Sollten Verbraucher jedoch aktuell mit Eventim in einen Rechtsstreit geraten, können sie sich auf das Urteil berufen und Eventim anbieten, die Zahlung vom Ausgang eines möglichen Rechtsmittels abhängig zu machen“, rät Schuldzinski. “Weil schon der Hinweis auf das Urteil das Unternehmen zur Entgegenkommen veranlassen kann.” Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen bietet dafür eine an Briefvorlage beim.

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