Belarus darf nicht am Eurovision Song Contest in Rotterdam ⋆ Nürnberger Blatt teilnehmen

Bild: EBU / Kris Pouw

Weißrussland, das seit Monaten durch Proteste gegen das autoritäre Staatsoberhaupt Alexander Lukaschenko erschüttert ist, darf nicht am diesjährigen Eurovision Song Contest in den Niederlanden teilnehmen. Das Land werde “leider nicht am Musikwettbewerb teilnehmen”, teilte der Veranstalter des WSA, der Europäischen Rundfunkunion (EBU), am späten Freitagabend mit. Minsk verurteilte die Ausweisung als “politisch motiviert”.

Die EBU hat am Freitag beschlossen, den von Belarus eingereichten Wettbewerbsbeitrag nicht zuzulassen. Dies war der zweite Antrag des Landes, nachdem auch ein erstmalig eingereichter Beitrag abgelehnt worden war. “Der zweite Antrag verstieß ebenfalls gegen die Wettbewerbsregeln, die sicherstellen sollen, dass der Wettbewerb nicht instrumentalisiert oder diskreditiert wird”, sagte die EBU auf ihrer Website. Sie gab keine weiteren Details an.

Die belarussische Rundfunkbehörde wollte die Band Galasy Smesta zum ESC-Rennen schicken. Dies löste gewalttätige Proteste in der Oppositionsbewegung aus. Das Lied, das die Band ursprünglich beim Wettbewerb präsentieren wollte, enthält Zeilen wie: “Ich werde dir beibringen, dich der Zeile zu unterwerfen.”

Das zweite Lied, mit dem sich die Band für den ESC bewarb, schien auf den ersten Blick weniger politisch zu sein. Der Frontmann der Band teilte der Nachrichtenagentur Ria Novosti am Samstagmorgen mit, dass die Bedeutung des Liedes über ein Kaninchen, Hühner und einen Fuchs “sehr offensichtlich” sei. Das belarussische Auswahlkomitee für den WSA hatte zuvor erklärt, dass die Tatsache, dass „Europa Angst hat, ein Lied über Kaninchen auf der Bühne zuzulassen“, „eine absolute Schande“ sei.

Seit den Präsidentschaftswahlen im vergangenen August gab es in Belarus Proteste gegen Lukaschenko, die von massiven Betrugsvorwürfen begleitet wurden. Nachdem in den ersten Monaten nach den Wahlen jede Woche Zehntausende Menschen auf die Straße gingen, schwächte sich der Protest endgültig ab. Ein weiterer Grund war das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten. Mehrere Demonstranten wurden getötet und Hunderte weitere zu langen Haftstrafen verurteilt.

Der WSA sollte am 22. Mai in Rotterdam stattfinden. Der Wettbewerb wurde im vergangenen Jahr wegen der Koronapandemie verschoben.

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