Bätzing sieht “Systemversagen” der katholischen Kirche bei Missbrauchsermittlungen

Kölner Dom – Bild: Kobalt via Twenty20

Die Debatte um den Umgang des Erzbistums Köln mit zwei Missbrauchsmeldungen führte laut Bischof Georg Bätzing “zu erneuter Verunsicherung und kirchlichen Schäden”. Der Schaden gehe “weit über das Erzbistum Köln hinaus”, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der “Rheinischen Post” (Mittwochsausgabe).

Auch die Diskussionen um die Missbrauchsberichte und das Verhalten der Kirche würden den Betroffenen nicht gerecht. „Wir können mit keiner Schönheitsreparatur externer oder rechtlicher Art aus der massiven Krise herauskommen. Als Kirche in Deutschland haben wir ein Systemversagen wahrgenommen, das zeigt, dass Systemänderungen notwendig sind“, sagte Bätzing. Die von Papst Franziskus in der Erzdiözese Köln angeordnete Untersuchung durch sogenannte apostolische Besucher sei “schon ein starkes Zeichen”.

Der Papst habe die Maßnahme ergriffen, “um zur Klärung einer hochkomplexen, teilweise aufgeheizten Situation beizutragen, die von großem Unverständnis und Misstrauen auf allen Seiten geprägt ist”, sagte Bätzing. Es sollte jedoch keine Vorurteile geben.

Die vom Papst entsandten Besucher sind der Stockholmer Bischof Kardinal Anders Arborelius und der Bischof von Rotterdam, Johannes van den Hende. Die Botschafter des Papstes wollen sich ein Bild von der “komplexen pastoralen Situation” in der Diözese machen. Sie sollen auch mögliche Fehler des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki und anderer Kirchenvertreter im Umgang mit Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfen untersuchen. Am Dienstag hatten sie ihre ersten Gespräche mit Missbrauchsopfern.

Woelki steht seit Monaten heftig in der Kritik, weil er ein Gutachten einer Münchner Anwaltskanzlei zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche mit Verweis auf angebliche methodische Mängel unter Verschluss gehalten hat.

In einem im März vorgelegten Bericht wurde der Erzbischof im Zusammenhang mit Vorwürfen der Vertuschung sexueller Missbrauchsfälle persönlich entlastet. Der Skandal um die Ereignisse in der Erzdiözese Köln hat die katholische Kirche erschüttert, zahlreiche Gläubige sind dort bereits zurückgetreten. Die Kölner Katholiken fordern noch immer den Rücktritt Woelkis.

Leave a Comment