Anhörung von Krankenschwestern und Ärzten des argentinischen Fußballidols Maradona ⋆ Nürnberger Blatt

Maradona – Bild: Miguel Fernández

Mehr als sechs Monate nach dem Tod des argentinischen Fußballnationalhelden Diego Maradona haben Anhörungen mit Pflegern und Ärzten über die unzureichende Versorgung des Ex-Sportlers begonnen. Zunächst sagte eine Krankenschwester der zuständigen Staatsanwaltschaft in San Isidro am Montag, er habe nur Anweisungen befolgt. Nach Anhörung von insgesamt sieben Pflegekräften und Ärzten soll entschieden werden, ob gegen sie ein Strafverfahren wegen Totschlags eingeleitet wird.

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Justizkreisen erfuhr, spricht vieles dafür, dass der Fall vor Gericht geht. Im Falle einer Anklage drohen dem Angeklagten acht bis 25 Jahre Haft in einem möglicherweise einjährigen Verfahren.

Unter den Verdächtigen sind der Hausarzt, zwei Krankenschwestern, ein Psychologe und ein Psychiater. Zuletzt, am 28. Juni, wird Maradonas Leibarzt, der 39-jährige Neurochirurg Leopoldo Luque, angehört.

Der Nachtschwester Ricardo Almirón erschien am Montag als erster Verdächtiger bei der Staatsanwaltschaft in San Isidro. Dem 37-Jährigen wird vorgeworfen, wenige Stunden vor seinem Tod über Maradonas Gesundheitszustand gelogen zu haben. Almirón hatte ausgesagt, dass der 60-Jährige normal schlief und atmete. Laut Obduktionsbericht hatte der Sterbeprozess zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen.

Almiróns Anwalt Franco Chiarelli sagte nach der Anhörung, sein Mandant sei von seinen Vorgesetzten angewiesen worden, „den Patienten nicht zu stören“. Bei Maradona musste der Pfleger immer darauf achten, dass er sich nicht „eingeschnürt“ fühlte.

Der Anwalt erklärte, dass Almirón Maradona immer wie einen Patienten mit einer komplexen psychiatrischen Erkrankung behandelt habe. Ihm wurde nie gesagt, dass der 60-Jährige Herzprobleme habe. Dennoch bemerkte Almirón bei Maradona “gewisse Alarmsignale” und informierte seine Vorgesetzten darüber. Nur diese hätten einen „umfassenden Überblick über den Zustand des Patienten“ gehabt.

Anfang Mai hatte ein Gutachten ergeben, dass Maradona von seinem Ärzteteam “seinem Schicksal überlassen” worden war. Die “unzureichende, unzureichende und nachlässige” Behandlung führte zum langsamen Tod des Fußballers.

Maradonas Töchter Gianinna und Jana hatten zuvor die Art und Weise kritisiert, wie Maradona zuletzt in seiner Residenz behandelt wurde. Die Fußball-Ikone hatte sich von einer Gehirnoperation in Tigre nahe der Hauptstadt Buenos Aires in einem gemieteten Haus erholt. Maradona starb dort am 25. November.

Der 60-Jährige litt laut Obduktion an Leber-, Nieren- und Herz-Kreislauf-Problemen. Es wurden keine Spuren von Alkohol oder Betäubungsmitteln gefunden. Eine erste Untersuchung der Leiche ergab, dass Maradona Wasser in der Lunge hatte und sein Herz aufgrund einer Herzkrankheit versagte.

Der Leibarzt Luque hat seine Behandlung wiederholt verteidigt. „Ich habe mein Bestes gegeben“, sagte der Sanitäter. “Ich habe Diego alles angeboten, was ich konnte: Einige Dinge hat er akzeptiert, andere nicht.” Laut Luque hatte Maradona am Ende seines Lebens an Depressionen gelitten.

Maradona gilt als einer der besten Fußballer aller Zeiten. In seiner Heimat wird er noch immer wie ein Gott verehrt und sein Tod sorgte weltweit für Bestürzung. Das Leben des ehemaligen Weltmeisters war nach seiner aktiven Karriere von Höhen und Tiefen sowie von Drogen- und Alkoholsucht geprägt.

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