Alexei Navalny: Vergiftet und zu Gefängnis in einem Gefangenenlager verurteilt

Navalny – Bild: Jewgeni Feldman / EPA

Vergiftet, verhaftet und verurteilt: Das Schicksal des russischen Kremlkritikers Alexej Navalny hat die Welt monatelang in Atem gehalten. Der 44-Jährige wurde vor sechs Monaten Opfer eines Giftangriffs und ging zur Behandlung nach Deutschland. Nach seiner Rückkehr nach Moskau wurde er wegen angeblicher Verletzung der Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Gefangenenlager verurteilt. Seine Berufung gegen das umstrittene Urteil wurde nun zurückgewiesen. Überblick über einen Fall, der die Beziehungen zwischen Russland und der EU erneut stark belastet:

20. AUGUST 2020

Nawalny wird während eines Fluges von Sibirien nach Moskau ohnmächtig. Das Flugzeug muss notlanden, Navalny wird auf die Intensivstation eines Krankenhauses in Omsk gebracht, wo er um sein Leben kämpft. Nawalnys Team sprach sofort von Vergiftung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bietet Navalny-Behandlung in einem deutschen Krankenhaus an.

21. AUGUST 2020

Russische Ärzte erklären, dass Navalnys Zustand zu instabil ist, um mit dem Flugzeug nach Deutschland transportiert zu werden. Die Ärzte betonen, dass sie in Navalnys Urin- und Blutproben kein Gift gefunden haben. Deutsche Ärzte, die die Opposition im Krankenhaus in Omsk besuchen, halten ihn jedoch für transportabel. Schließlich stimmte die russische Seite einem Schritt zu.

22. AUGUST 2020

Nawalny, der immer noch in Lebensgefahr ist, wird in einem von deutschen Aktivisten gecharterten Krankenwagen nach Berlin geflogen. Dort wird er zur Behandlung in die Universitätsklinik Charité gebracht.

2. SEPTEMBER 2020

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert gab bekannt, dass Navalny mit einem chemischen Nervenagens vergiftet wurde. Die Substanz aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe wurde daher von einem speziellen Labor der Bundeswehr nachgewiesen. Bundeskanzlerin Merkel verurteilt den “versuchten Vergiftungsversuch” von Nawalny “auf das Schärfste” und fordert von Russland eine Erklärung.

7. SEPTEMBER 2020

Die Charité bringt Navalny aus seinem künstlichen Koma.

14. SEPTEMBER 2020

Spezielle Laboratorien in Frankreich und Schweden bestätigen die deutschen Ergebnisse zur Vergiftung von Navalny mit Novichok-Neurotoxin. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigte das Ergebnis später ebenfalls.

23. SEPTEMBER 2020

Navalny wird aus der stationären Behandlung entlassen.

1. OKTOBER 2020

In seinem ersten großen Interview nach dem Giftangriff macht Nawalny den russischen Präsidenten Wladimir Putin für das Verbrechen verantwortlich. Das Oppositionsmitglied bedankte sich für die Hilfe Deutschlands und kündigte später seine Rückkehr nach Russland an.

15. OKTOBER 2020

Die EU verhängt wegen des Giftangriffs Sanktionen gegen enge Mitarbeiter Putins. Im Gegenzug verhängte Russland im Dezember in zwei Schritten Sanktionen gegen Deutschland, Frankreich, Schweden und Großbritannien.

17. JANUAR 2021

Nawalny fliegt von Berlin nach Moskau zurück. Er wurde kurz nach der Landung festgenommen – und am nächsten Tag in einem dringenden Verfahren zu 30 Tagen Gefängnis verurteilt. In einem auf YouTube veröffentlichten Video fordert der 44-Jährige die Russen auf, keine Angst zu haben und „auf die Straße zu gehen“.

19. Januar 2021

Navalnys Team veröffentlicht ein Video über einen riesigen Luxuspalast am Schwarzen Meer, der Putin gehören soll. Dies lehnt dies später ab. Stattdessen erklärt der Milliardär Arkadi Rotenberg, ein enger Vertrauter und ehemaliger Judo-Partner Putins, den Eigentümer des Grundstücks.

23. JANUAR und 31. JANUAR 2021

In ganz Russland demonstrieren Menschen gegen Putin und für die Freilassung von Navalny. Die Sicherheitskräfte gehen massiv gegen die Proteste vor und verhaften Tausende von Menschen. Der Westen – einschließlich der Bundesregierung – verurteilt die Gewalt.

2. FEBRUAR 2021

Nawalny wird von einem Moskauer Gericht zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Gefangenenlager verurteilt. Eine bereits verhängte dreieinhalbjährige Bewährungsstrafe wird in eine Haftstrafe umgewandelt, weil er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. Nach Abzug seiner Zeit im Hausarrest beläuft sich dies laut seinem Anwalt auf rund zwei Jahre und acht Monate in einem Lager. International ist das Urteil sehr empört, und auch Deutschland fordert eine sofortige Freilassung. Hunderte Demonstranten werden bei Massenprotesten in mehreren russischen Städten erneut festgenommen.

20. FEBRUAR 2021

Ein Moskauer Gericht weist die Berufung von Navalny gegen das Urteil zurück. Das Berufungsgericht hat die Strafe jedoch leicht herabgesetzt. Der Richter fügt der Gesamtstrafe sechs Wochen Hausarrest hinzu, so dass Navalny etwa zweieinhalb Jahre lang ins Gefangenenlager muss.

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